#112: Alles inklusive? Über Barrierefreiheit in der Schweiz

Shownotes

Themenschwerpunkt im Heft Nr. 627 des Strassenmagazins Surprise ist das Leben von Menschen mit Behinderungen in der Schweiz. Darin wird ihr starker Wunsch deutlich, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Tut die Schweiz genug dafür?

Surprise – Strassenmagazin

WAVE Web Accessibility Evaluation Tool

BFS: Menschen mit Behinderungen Statistische Ergebnisse zu Menschen mit Behinderungen gemäss Behindertengleichstellungsgesetz und anderen Definitionen

Inclusion Handicap: Mangelhafte Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (Schattenbericht)

Inklusions-Initiative: Inklusion jetzt!

Accessibility Checker: www.opernhaus.ch

Kanton Zürich: Vorgaben zur Barrierefreiheit

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Transkript anzeigen

00:00:02:

00:00:04: Es kombinieren Dominik Duseck und Elvira Isenring.

00:00:25: Von noch nicht allzu langer Zeit wollte ich mit einem Freund im Rollstuhl ins Opern aus, um die Plätze wollte er sich kümmern – und das gestaltet es sich als Spießrutenlauf!

00:00:35: Auf der Webseite fand er keine Informationen zu Tickets für Rollstuhlplätze.

00:00:39: Seine Anfragen über das Kontaktformular blieben unbeantwortet.

00:00:43: Anstatt sich nach der Arbeit in Ruhe darum zu kümmern, musste er zum Telefon greifen!

00:00:47: Das Anrufzeitfenster beträgt gerade mal vier Stunden pro Tag.

00:00:51: Frustiert nahm es ich die Zeit per Mail auf die Missstände hinzuweisen.

00:00:55: Warum kann ich die Tickets nicht online bestellen?

00:00:58: Warum muss ich gefühlt ewig in der Warteschleife warten und dann plötzlich abgehängt

00:01:02: werden?!

00:01:03: Die Antwort blieb nicht aus.

00:01:05: Vielen Dank für Ihr Mail, dass wir mit Interesse gelesen haben!

00:01:08: Dann der Hinweis – Informationen über Buchungen für Menschen mit Einschränkungen finden Sie in unserem Saisonprogramm auf Seite twohundertachzehn und ebenso auf unserer Webseite hier.

00:01:19: Dazu ein Link, der auf eine Seite führt, auf der es da nicht um Tickets geht.

00:01:24: Der Freund selbst in der IT-Tätik hat am Schluss seines Schreibens darauf aufmerksam gemacht, dass die gesamte Website prüft man sie über ein Web Accessibility Evaluation Tool wie WAVE das Thema Barrierefreiheit komplett ignoriere.

00:01:38: Auf diese Generalkritik wurde nicht eingegangen.

00:01:40: stattdessen folgten folgende freundlich klingende Worte Es freut uns wenn wir auch in einem künftigen Fall ihren Wunsch direkt am Telefon entgegennehmen und verarbeiten könnten.

00:01:50: Sehr ärglich, vor allem weil das Open House mit beachtlichen neunzig Millionen Franken zuventioniert wird – Steuergelder, zu denen der Freund ebenfalls beiträgt.

00:01:59: Eine barrierefreie Webseite könnte man sich damit problemlos leisten!

00:02:04: Wir haben dann doch noch Tickets bekommen.

00:02:06: Davor gingen wir essen, der Eingang zum Hildl in der Nähe hat zum Glück keine Treppenstufen.

00:02:12: Netterweise waren andere Gäste breiten Tisch zu tauschen.

00:02:16: Mit Rollstuhl war nur der Vorderster reichbar.

00:02:18: – das Essen selbstständig schöpfen?

00:02:20: Nein!

00:02:20: Das Büffer ist zu hoch….

00:02:22: Dann ab in die Oper.

00:02:23: Den Haupteingang benutzen?

00:02:25: Nein, Treppen stufen.

00:02:26: Der Weg führte durch einen Nebeneingang.

00:02:29: Die Hacke an der Garderobe abgeben?

00:02:30: Nein, auch dort Treppenstufen.

00:02:33: Ein Getränk an den Ball?

00:02:34: Nein!

00:02:34: Der Dresden ist mit Rollstuhl zu hoch, Sitzgelegenheiten auf Augenhöhe gab es nicht.

00:02:39: Der Abend war für mich spektakulär – aber nicht in erster Linie wegen der

00:02:42: Oper.".

00:02:43: Zweiundzwanzig Prozent der Schweizer Bevölkerung gelten laut Bundesamt für Statistik als Menschen mit Behinderungen, also jede fünfte Person.

00:02:53: Dreihundertvierzichttausend Menschen sind in ihrem Alltag stark eingeschränkt – körperlich, psychisch oder geistig und beides.

00:03:01: Einschränkungen des G., See-, Höhe- oder Sprechvermögens – alles sehr divers!

00:03:06: Wie lebt es sich in der Schweiz mit Beeinträchtigung?

00:03:09: Wie lebe die Schweiz?

00:03:10: Inklusion?

00:03:11: Das Leben von Menschen mit Behinderungen ist der Themenschwerpunkt im Heftnummer sixhundertzehnundzwanzig des Straßenmagazins Surprise.

00:03:19: Lea Stuber ist heute bei uns zu Gast, Dominik hat mit ihr gesprochen.

00:03:24: Leaa Stuber, ihr habt im Surprise eine Schwerpunktnummer gemacht für die ihr gesprochen habt mit etlichen Menschen mit Behinderungen und wenn ich das so lese sind gleich vier fünf Artikel, Interviews, Reportagen usw.. Dann scheint es mir so zu sein, dass eigentlich allen die dazu wortkommen, scheint gemeinsam zu sein.

00:03:43: Dass sie gerne ein soweit wie möglich selbstbestimmtes Leben führen wollen.

00:03:47: Ist die Zusammenfassung einigermaßen kurz aber korrekt?

00:03:51: Und wenn das so ist – wie geht's euren Gesprächspartnerinnen damit in der Schweiz?

00:03:54: Wie wohl fühlen Sie sich hier in ihrem Leben?

00:03:56: Ja ich würde sagen kann man das gut zusammenfassen und es ist wahrscheinlich ja auch ein sehr menschlicher Wunsch ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu führen als Mensch mit oder als Mensch ohne Behinderung.

00:04:09: Und für diese Syrbrisausgabe haben wir uns konzentriert auf vier Bereiche, Wir haben uns angeschaut die Mobilität das Wohnen Die Freizeit, die Freizeite im Beispiel von Sportveranstaltungen und dann haben wir auch noch in den Kulturbereich geblickt.

00:04:26: Vielleicht kann man sagen bei allen diesen Menschen mit denen wir gesprochen haben nimmt das Thema der Behinderung nimmt mehr Platz in ihrem Leben ein, als sie eigentlich gerne hätten.

00:04:37: Wenn Sie alleine wohnen wollen ist das mit Aufwand verbunden.

00:04:40: Wenn sie unterwegs sind geht es nicht immer ohne Hilfe.

00:04:44: und trotzdem auch, dass sagt zum Beispiel Edwin Ramirez.

00:04:49: Das ist eine non-binäre Künstlerin im Zürich.

00:04:52: Edwin Ramires ist im Rollstuhl, die Behinderung hat.

00:04:57: Dass trotz der Herausforderungen und Hürden die Behinderung ja nicht das einzige Thema ist, dass ihn als Person alles macht.

00:05:06: Ja aber kann man dann sagen, wenn die Selbstbestimmung so wichtig ist oder dieses eben möglichst... wenig damit konfrontiert zu werden, dass man aus Sicht von manchen vielleicht ein Problemfall ist sich dafür einzusetzen und das den Alltag so zu leben auf der Suche nach dieser Selbstbestimmung erleben wie das eher als Kampf würdest du sagen oder erleben wir so, dass ihr doch in der Schweiz verschiedene Einrichtungen an einem Strang ziehen.

00:05:28: Ich bin da ein bisschen zurückhaltend auch weil ich ja jetzt als Mensch ohne Behinderung darüber spreche wie es Menschen mit Behinderungen geht.

00:05:35: Menschen mit Behinderungen, das ist keine homogene Gruppe.

00:05:38: Also da findet man ja alle Meinungen und Erfahrungen jetzt einfach basierend auf den Texten und darauf was die Menschen gesagt haben.

00:05:46: Das glaube ich.

00:05:47: kein Entweder.

00:05:48: oder also alle betonen immer wieder irgendwie dass es anstrengend ist sich immer wieder einsetzen zu müssen für eigentlich Dinge die selbstverständlich sein sollten beispielsweise eben wenn es darum geht eine Sportveranstaltung besuchen zu können dass man da irgendwelche Kämpfe führen muss Und gleichzeitig auch zu merken, dass man nicht alleine ist.

00:06:09: Gibt dann eben wieder Energie und zu merke, hey okay es ist vielleicht auch möglich und ich muss mich da einsetzen oder es lohnt sich auch.

00:06:17: Also sozusagen zum Beispiel die beiden Frauen mit denen wir gesprochen haben jetzt allein wohnen.

00:06:22: Die waren Vorhörbeite in einem Wohngruppe und vorher war das eigentlich bequemer und trotzdem ist das die richtige Entscheidung.

00:06:31: Wenn Sie hier noch dazu kommen, das ist eine immense Bandbreite von Menschen ergibt, über die ihr da schreibt.

00:06:39: Weil du gesagt hast sie freuen sich auch wenn sie feststellen das nicht alleine sind.

00:06:42: gibt es denn zwischen Menschen die jetzt unterschiedliche Behinderungen haben?

00:06:45: Gibt's einen Austausch untereinander?

00:06:47: Edwin Ramirez spricht im Interview mit diesem Austauscht den es gibt und der auch sehr wichtig ist.

00:06:53: Das ist auch etwas, was Edina Ramirez als etwas Hoffnungsvolles bezeichnet, dass gerade jüngere Menschen sehr offen sprechen über ihre Behinderung aber auch vielleicht über ihr Schwarzsein oder über ihre Queerness und das es dann auch daraus über diese Ähnlichkeiten, aber vielleicht auch unterschiedliche Erfahrungen die man macht, dass es eine Verbundenheit gibt Solidarität und Gerechtigkeit ermöglicht.

00:07:18: Also, ich glaube was ich mitgenommen habe aus diesem Gespräch ist auch dass viele Menschen mit Behinderung die in die Öffentlichkeit kommen zuerst mal irgendwie das Gefühl haben sie müssen sich erklären und vielleicht auch erklären weshalb Sie jetzt diesen Platz haben Und Adin Ramirez macht seit elf Jahren Theater und Kunst, hat in dieser Zeit auch eine Entwicklung durchgemacht.

00:07:42: Inzwischen sagt auch, Behinderung ist nicht das einzige Thema, das mich interessiert und ausmacht.

00:07:46: Ich mache auch Kunst über ganz andere Themen.

00:07:50: Thema finde ich einen sehr interessanten Respekt, dass es wie es gibt sozusagen diesen politischen Kampf für Gleichstellung von Menschen mit Behinderung.

00:07:59: Und gleichzeitig ist das ja für viele Menschen nicht alles was sie ausmacht.

00:08:04: also Sie haben ja auch eben Interessen wie Fußball oder sei es eben die Kunst?

00:08:10: Jetzt ist natürlich der politische Kampf und die Politik die sich darum errankt etwas was uns im Hörkommunat schon besonders interessiert.

00:08:17: Und wenn Sie mal auf die ganz große Politik schaut, dann hat die Schweiz die Behindertenrechtskonvention der UN unterzeichnet und nun hat aber darüber berichtet sie auch ein Ausschuss der UNO Mängel in der Umsetzung dieser Konvention festgestellt.

00:08:29: Was wird da hauptsächlich kritisiert an der Schweiz?

00:08:32: Ein wichtiger Punkt der Kritik auslöst, bezieht sich auf das Wohnen.

00:08:36: Da fordert eigentlich dieser Ausschuss, dass die Schweiz das Wohnend von Menschen mit Behinderungen, dass es eine Verschiebung geben sollte.

00:08:42: Stand jetzt ist immer noch ein sehr großer Teil von Menschen in Behinderung leben in Institutionen, in Wohnheimen und Wohngruppen.

00:08:51: Das widerspricht aber der unbehindeten Rechtskonvention weil diese will eigentlich, dass alle Menschen mit Behinderungen selber wählen können wo und wie sie leben.

00:09:01: Das bedeutet erst für die Schweiz, sie sollte eigentlich die Institutionen zurückbauen und dann dieses Geld in diese Richtung verschieben, dass Menschen damit selbstbestimmt leben können.

00:09:11: Und es ist ja für Menschen mit Behinderungen aufwendiger, selbstbestimmend leben zu können als für Menschen ohne Behinderung – das heißt, es müssen die Unterstützungsangebote bereitgestellt werden, die Sie brauchen!

00:09:25: Eigentlich ist ja jetzt auch die Inklusionsinitiative, die eingereicht wurde und über die wir bald abstimmen eine Reaktion darauf, dass eigentlich die Schweiz den UNO-behinderten Rechtskonventionen noch ungenügend umsetzt.

00:09:38: Ein Stichwort in diesem Zusammenhang ist die sogenannte Subjektförderung.

00:09:42: das bezeichnet genau das, dass nicht Institutionen gefördert werden sondern die Individuen.

00:09:47: Und da gibt es ein Modell wo zum Beispiel Personen, die selbstständig in einer Wohnung leben aber betreut werden für gewisse Sachen dass die dann zu den Arbeitgeberinnen werden von denen, die sie betreuen.

00:10:00: Was bedeutet das konkret und ist das eine Richtung, die auf Anklang stoßt bei den Betroffenen?

00:10:06: Grundsätzlich sicher also so ... Die Stoßrichtung dieser Idee entspricht ja eigentlich genau dem was in der unabbehinderten Rechtskonvention steht und was eben jetzt die Schweiz machen sollte.

00:10:18: Die konkrete Umsetzung zeigt euch es halt doch für viele Menschen eine Herausforderung, weil konkret ist die Idee wenn jemand mit einer Behinderung selbstständig wohnen möchte und vorher vielleicht in einer Institution war das vorher einfach klar geregelt dass Geld kann beantragt werden beim Kanton und geht dann zu der Institution.

00:10:39: Und wenn da eine Person selber leben will in einer eigenen Wohnung muss sie dieses Geld beantragen.

00:10:44: Das ist sozusagen der erste Schritt und das ist eine der Probleme vielleicht eigentlich meistens nicht ausreicht.

00:10:52: Also das hat auch eine Studie gezeigt von der Berner Fachhochschule, das Erzandt sich vierundzwanzig, dass die finanzierten Leistungen nicht ausreichen um ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

00:11:03: Dann das der nächste Punkt.

00:11:05: beispielsweise sagen wir eine Person mit Rollstuhl, sie braucht eine rollstuhlkängige Wohnung Und ich meine, eine Wohnung finden ist schon durchschnittlich sehr schwierig.

00:11:15: Das wissen wir alle.

00:11:16: und wenn dann nur Wohnungen in Frage kommen die auch rollstuhlgängig sind also das ist doch mal viel schwieriger.

00:11:23: Und dann der dritte Punkt ist eigentlich diese Form von Assistenzbeiträgen.

00:11:27: Wenn dann die Person eine eigene Wohnung hat und dann kann sie mit diesem Geldassistenzpersonen anstellen die sie dann unterstützen bei dem was sie braucht sei es Bei der Pflege, beim Aufstehen bei der Zubereitung des Essens.

00:11:42: Also alle diese alltäglichen Aufgaben.

00:11:45: Wenn ich mir das vorstelle, ich wäre jetzt Chefin und würde dann Assistenzpersonen anstellen.

00:11:50: Ich wäre ja komplett überfordert mit... Ja, was muss ich da machen bezüglich Personalführung und Buchhaltung?

00:11:57: Also das ist ja nicht ohne.

00:11:59: Und da werden sicher auf der einen Seite die Menschen zum Teil allein gelassen.

00:12:04: also es gibt Angebote und auch Stiftungen, die dann Menschen unterstützen und sie daher anführen aber es ist halt nicht flächendeckend und nicht standard.

00:12:13: Hinzu kommt eigentlich diese Assistenzbeiträge sind eigentlich für Menschen mit körperlichen Behinderungen, ist das ein Modell?

00:12:21: Das geht.

00:12:22: Aber die Menschen, die kognitive Behinderung haben, da ist es eben wie zu hochschwellig und dafür braucht es andere Formen beispielsweise das Modell der ambulanten Wohnbegleitung.

00:12:32: Wie unterscheidet sich denn dieses Modell von diesem Arbeitnehmerinnenmodell?

00:12:38: Beim Modell der ambulanten Wohnbegleitung wohnt eine Person in einer eigenen Wohnung und wird aber immer wieder von Fachpersonen begleitet.

00:12:48: Das heißt, vielleicht einmal in der Woche kommt eine Sozialarbeiterin vorbei und bespricht alltägliche Dinge bei denen die Person Unterstützung braucht sei es, keine Ahnung, Müllrecycling, E-Mails verschicken.

00:13:01: Dort ist die Person nicht die Chefin sondern das läuft dann über die Kantone.

00:13:06: Da gibt es auch wieder große Unterschiede in den Kantonen.

00:13:09: Beispiel Baselstaat und Baseland, gibt es die behinderten Hilfe heißt das?

00:13:14: Und dann eben läuft die Finanzierung über die behinderte Hilfe und die Ergänzungsleistungen.

00:13:20: Wenn du sagst, da gibt es eine große Unterschied zwischen den Kantonen stellt er sich öfter mal als Problem heraus wenn eine Person mit Einschränkungen den Wohnkanton wechseln will.

00:13:30: Ja, ich glaube diese Unterschiede in den Kantonen zeigen irgendwie wo die Schweiz da steckt und diesen Paradigmenwechsel von der Objektfinanzierung hin zu der Subjektfinanzierung.

00:13:42: Kanton Zürich hat das schon umgesetzt – die beiden Basel auch.

00:13:48: Ich kann mir vorstellen dass es wieder aufhändig wird wenn man tatsächlich den Kanton wechselt.

00:14:01: Sie verpflichtete sich damit, die darin festgeschriebenen Menschenrechte umzusetzen.

00:14:24: fehlt an einer Strategie, an einem Aktionsplan.

00:14:27: Die wichtigsten Baustellen selbstbestimmtes Leben Bildung Arbeitsmarkt Wie wir gehört haben.

00:14:33: wer selbstständig wohn möchte findet kaum Unterstützung.

00:14:37: der Zugang zum IV Assistenzbeitrag ist mit hohen Hürden verbunden.

00:14:41: Thema Schule.

00:14:42: Kinder mit Behinderungen werden man als Ressourcen und Personal in der Regelschule nach wie vor in Sonderschulen unterrichtet.

00:14:49: Eine separative Beschulung ist allermeist unumkehrbar, sie führt in ein Leben in der Segregation.

00:14:55: Der Bund erachtet sich aufgrund der Kompetenzverteilung zwischen Bund- und Kantonen als nicht zuständig – auch in der Berufsbildung ist Inklusion kaum Realität.

00:15:06: Weiter geht es mit dem Thema Arbeitsmarkt wo Menschen Arbeitsmarkt weitgehend ausgeschlossen sind.

00:15:13: Arbeitgeberinnen sind gesetzlich nicht verpflichtet, sie anzustellen – angepasste Stellen fehlen.

00:15:19: Stattdessen existiert ein staatlich subventionierter Sonderarbeitsmarkt mit tiefen Löhnen ohne Perspektive.

00:15:25: Die Schweiz sieht sich als fortschrittlicher Rechtsstaat, doch in zentralen Bereichen wie Bildung, Arbeit, Wohnen und nicht zuletzt der Justiz klaffen den Bericht zufolge massive Lücken.

00:15:35: Lücken die teils verfassungsrechtlich verankert sind.

00:15:39: Und die Bereitschaft sie systematisch zu schließen?

00:15:41: Naja eher gering!

00:15:43: Es gibt also noch vieles nachzuholen.

00:15:45: Im September im Jahr zwanzig wurde die Inklusionsinitiative eingereicht.

00:15:51: Du hast die inklusions-Initiative schon angesprochen, die in den nächsten zwei Jahren zur Abstimmung kommen soll.

00:15:59: Der Bundesrat hat dazu Stellung genommen und gesagt, die Anlegerinnen sind unbestritten richtig, hat aber dennoch einen Gegenvorschlag ausgearbeitet.

00:16:07: und da sagen jetzt InitiantInnen der Initiative dass dieser Gegenvorschlag unbefriedigend ist.

00:16:13: Woran stoßen sie sich an diesem Gegenvorschlag?

00:16:16: Ein Punkt ist auch wieder das Wohnen.

00:16:20: Eigentlich will die Initiative die rechtliche und tatsächliche Gleichstellung aller Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen.

00:16:28: In Bezug auf das Wohnen sagen die Initiantinnen, dass der Gegenvorschlag ungenügend ist.

00:16:33: Es hat keine verbindlichen Grundlagen, die wirklich garantieren würden, dass dann Menschen mit Behinderungen tatsächlich selber wählen können wo und wie sie leben wollen.

00:16:43: Das wäre genau das Ziel!

00:16:45: Das sind eher Kansätze und Initiaten haben das Gefühl, dass es zu schwammig ist.

00:16:49: Sie hätten es gerne griffiger.

00:16:51: Wahrscheinlich ist auch wieder ein Beispiel von... Man muss für jeden... noch so einen kleinen Schritt sehr stark kämpfen, dass man wirklich bekommt was es braucht.

00:17:02: Es gab nämlich auch ein offener Brief den über viertausend Menschen unterzeichnet haben und der hat sich an die Kommission gerichtet für Wissenschaft, Bildung und Kultur also die Kommision von Nationalrat Die im Moment die Detailberatung macht und das zeigt eben auch, dass es wieder Druck braucht damit dann am Schluss nicht wieder verwässert wird.

00:17:24: Jetzt, wenn du vorher gesagt hast, man stößt bei dieser Subjektförderung oder diesen Betreuungsmodellen daheim auch auf finanzielle Probleme.

00:17:32: Heißt das dass diese Art der Betreuung teurer ist als die Betreuungen in den Institutionen?

00:17:37: Ehrlich gesagt so.

00:17:38: diesen Überblick also dieser Rechnung habe ich mir gar nie gemacht.

00:17:42: Ich kann mir vorstellen rein aus staatlicher Sicht gedacht Nationale Ebene oder danach die Kantone.

00:17:49: Vielleicht einfacher, wenn man einfach weiß, wann kann dieses Geld zu den Institutionen geben?

00:17:54: und die machen dann damit was es braucht.

00:17:56: Und hingegen – wenn man jeden Fall einzeln abklären muss ist das ja auch mit Aufwand verbunden.

00:18:03: Das eine Beispiel aus dem Text hat, wenn ich das jetzt richtig im Kopf habe, die hat Hundertfünfzig stundene Monat zugesprochen bekommen an Assistenzbeiträgen, das ist das Maximum.

00:18:16: Aber das war erst nach mehreren Anläufen.

00:18:18: also schon von ihrer Seite her braucht es extreme Ausdauer und dann wurde dann Geld nochmal wieder abgezogen.

00:18:28: Ja, kompliziert und aufwendig.

00:18:30: Und das ist auch wieder eine der Kritikpunkte, dass von diesen Assistenzbeiträgen dann wieder Gelder abgezogen werden und dass es am Schluss nicht reicht um damit wirklich selbstbestimmt leben zu können.

00:18:41: Das zeigt auch die Frau im Text.

00:18:44: Sie geht jedes Wochenende zu ihren Eltern weil die drei Assistenzwersionen, die sie sich leisten kann, die können halt nur Montag bis Freitag abdecken.

00:18:56: Mit dem Geld natürlich so eine Sache, man kann ja und sollte vielleicht auch Diskussion darüber führen wie der Staat woher Geld bekommt und wofür er es ausgibt.

00:19:07: Aber das ist schon so wenn man auch für diese riesen Bandbreite von den vorher gesprochen hast.

00:19:11: Es hat natürlich jemand dem Rollstuhl sitzt völlig andere Bedürfnisse bzw stößt auf andere Schwierigkeiten Wenn er selbst bestimmt leben will als jemand der zum Beispiel gehörlos ist.

00:19:22: ist sowas auch Teil der Initiative, wie da die Maßnahmen für dieses selbstbestimmte Leben finanziert werden sollen?

00:19:29: Soweit ich das überblicke bleibt die Initiativen ja relativ auf einer sehr allgemeinen Ebene.

00:19:36: Das ist sicher eine der Schwierigkeiten bei diesem Thema.

00:19:40: oder man muss ja so stark ausdifferenzieren weil die Situationen und Erfahrungen so unterschiedlich sind und es wird einfach schnell kompliziert.

00:19:51: Um noch beim beliebsten Thema Geld ein bisschen zu bleiben, ein sehr interessanter Typ oder interessantes Paar kann man ja vielleicht sagen ist Tito mit dem gesprochen hat das Freundin auf einem Rollstuhl angewiesen ist und die sehr viel gemeinsam unternehmen offenbar.

00:20:06: Und der hat dann eben mit euch über Mobilität gesprochen und welche Probleme da bei welchen Unternehmen aufgetreten sind.

00:20:13: Die Verkehrsbetriebe.

00:20:14: Basel hat aber insbesondere gelobt dass da immer Bereitschaft ist, auch wenn es sozusagen spontan zu Problemen kommt, zu helfen und so weiter.

00:20:23: Sagt aber auch gleichzeitig naja das ist halt Basel im Basel gibt's halt viel Geld.

00:20:29: Ist Basel in Bezug auf Inklusion würde ich sagen eine Vorzeige statt?

00:20:32: Und kann man dieses Basel-Modell auf den Rest der Schweiz übertragen?

00:20:37: Wahrscheinlich kann man sicher sagen eben dass in einer Stadt wie Basel mehr gemacht wird als anderen Orten.

00:20:42: Gleichzeitig frage ich mich können wir wenn es um Barrierefreiheit geht überhaupt von einer Vorzeigestatt sprechen, weil wenn man wirklich so grundsätzlich sich das Thema anschaut und auch international das vergleicht dann bekommt die Schweiz immer wieder die Rückmeldung dass es eigentlich viel zu tun gibt.

00:21:00: Dass andere Länder weiter sind Gerade jetzt auch, wenn wir Basel anschauen.

00:21:05: und die Mobilität.

00:21:06: Es gibt viel das gut läuft und das kann man ja auch anerkennen.

00:21:10: Und gleichzeitig ist es ja auch in Basel, wenn man mit dem Tram unterwegs ist.

00:21:14: Man kann nicht an jeder Station aussteigen.

00:21:16: An manchen Stationen brachte es dann eben eine Rampe.

00:21:19: also auch da ist es viel aufwendiger mit Rollstuhl unterwegs zu sein als zu Fuß.

00:21:25: beispielsweise Das Behindertengesetz hätte ich eigentlich vorgeschrieben dass bis Ende alle Bahnhöfe in der Schweiz barrierefrei sein sollten und dieses Ziel wurde nicht erreicht.

00:21:38: Also es sind ja sechzig Prozent barrierenfrei, das Ziel ist bis zu zwanzig achtundzwanzig, dass es siebzig Prozent sind.

00:21:46: Relativ bescheidenes Ziel kommt mir jetzt so vor!

00:21:50: Ja, wenn man bedenkt – ich meine jetzt sind auch schon drei Jahre vergangen bald und für uns ist das vielleicht eine abstrakte Diskussion.

00:21:57: aber eben alle Menschen die darauf angewiesen sind dass man barrierefrei unterwegs sein kann.

00:22:02: Die stoßen ja dann immer wieder an Hürden und brauchen dann Übergangslösungen, dass es irgendwie Personal, die Rampe bereitstellt, dann muss man früher beim Zug sein.

00:22:12: also es ist wie eine ganz andere Art von unterwegs sein und reißen.

00:22:16: Ja sie schielen ja auch viele so sehr praxisnahe Vorfälle oder Anekdoten erzählen sie aus ihrem Leben, aus ihren vielen Reisen die sich an der Nehmen.

00:22:25: Und man ist klar also es ist extrem stelle ich mir vor frustrierend wenn da ein Zug den man nehmen will angekündigt ist.

00:22:31: der hat dort und dort einen barrierefrei zugänglichen Wagon.

00:22:34: dann kommt der Zug und das stimmt einfach nicht.

00:22:37: Anders ist auch klar, es ist nicht das Einfachste von der Welt im ganzen Land ein riesiges Zugstimmt zu unterhalten.

00:22:42: Aber wenn man sowas garantiert dann müssen sich die Leute ja auch darauf verlassen können.

00:22:46: bei anderen Sachen verstehe ich beide Seiten besser.

00:22:49: etwa bei dem Fall wo eine Seebehinderte mit ihrem blinden Hund an eine gut besuchte Sportveranstaltung eines immer-gutbesuchten Sportklubs.

00:23:00: Gehen wollte uns ja dann den Hund nicht mit hineinnehmen dürfen, sie konnte nur in einer Person hinein, die er dann geholfen hat.

00:23:05: und das will sich halt nicht weil es schon der erste Schritt weg ist von dieser Selbstbestimmung.

00:23:09: auf der anderen Seite wäre ich ein Stadionbetreiber hätte vielleicht auch wenig Ahnung davon wie blinden Hunde ausgebildet werden würde ich mir auch denken Ui!

00:23:16: Ein Hunter in der Menschenmenge das gibt da Probleme oder?

00:23:19: Sind es sehr praxisnahe Fragen?

00:23:21: Gibt's zu solchen Fragen einen Dialog in der Schweiz.

00:23:23: Ja, also ich weiß jetzt nur von dieser Frau die du erwähnt hast dass sie im Kontakt ist mit diesem Club und das ist dann immer so ein bisschen auf dieser individuellen Ebene einzelne Menschen die sich da irgendwie etwas erkämpfen, dass vielleicht dann eben der Club sich Gedanken macht und dann doch irgendwie eine Lösung sieht, vielleicht ein Bereich wo Hunde zugelassen sind, dass es nicht im ganzen Stadion ist.

00:23:46: Ansonsten Dialog, ich meine Beispiel Fußball-Liga oder IsoCay-Liger.

00:23:52: Die sagen wir sind dran das ist ein Prozess es gibt Maßnahmen die werden wir umsetzen.

00:23:59: Die Frage ist dann ja okay wie werden diese Maßnahmen dann konkret aussehen?

00:24:02: wann kommen die?

00:24:03: Ist der schwierig abzuschätzen und klingt ja erst mal gut.

00:24:07: Es klingt gut aber es klingt auch ein bisschen unverbindlich.

00:24:10: genau

00:24:11: dass wir schonmal hatten

00:24:12: kann kann ja alles bedeuten Und ich weiß nicht, ob vielleicht da eben auch die Schwierigkeit ist.

00:24:17: Du hast das ja auch angesprochen mit okay?

00:24:20: Eben wie wichtig ist es denn wirklich für die Menschen dann eine Sportveranstaltung besuchen zu können mithoben.

00:24:26: also so die Verhältnismäßigkeits sozusagen und klar kann man das irgendwie diskutieren.

00:24:31: Man muss aber auch sehen dass er eigentlich im Gesetz Behindertengleichstellungsgesetz steht, dass Sportveranstalterungen ein großes Publikum besuchen kann öffentlich angebotene Dienstleistungen und diese dürfen Menschen nicht aufgrund einer Behinderung diskriminieren.

00:24:50: Und wenn man dieses Gesetz ernst nimmt, würde das dann ja heißen okay man muss eine Lösung finden damit eine Person die einen Führhund hat trotzdem ins Stadion kann und dieses Spiel verfolgen kann.

00:25:01: Ja und was ich mir auch ehrlich gesagt nicht vorstellen kann ist, dass es im Sinne der Behindertenrechtskonvention ist.

00:25:07: Wenn jetzt diese eine Frau, die ein Erfahrung gemacht hat sich jetzt persönlich bei dem einen Club einsetzt das ist ja gut und recht und toll, dass sie das macht aber das ist keine politische Lösung.

00:25:16: Genau!

00:25:17: Es muss ja dann Standard sein.

00:25:19: und dass es möglich ist und eigentlich Standard sein kann zeigen auch eben andere Beispiele.

00:25:23: wenn man ins Ausland schaut Beispiel Premier League in England da Ja, ist dann viel mehr gehört einfach dazu.

00:25:31: Also es gibt zum Beispiel Gebärdensprache, Dolmetscher in den auf jeden Fall Halbzeitinterviews oder alle Infos und Durchsagen wenn man in der Schweiz ja an einem Fußballspiel geht so Dinge wie zB Wenn man sich verpflegen will ein Getränk holen dass das gar keine Screens hat wo steht was es gibt Und das macht das einfach viel Aufwendiger für jemand der nicht hört.

00:25:55: Es gibt auch Fanbeauftragte die Wir sind ansprechend Personen für Menschen mit Behinderungen.

00:26:01: Es gibt sogenannte Sensory Rooms, darüber haben wir auch noch nicht gesprochen, Menschen die schnell Reiz überflutet sind und sich dann zurückziehen möchten oder das bezieht sich auf Menschen, die eine Hörbehinderung haben, dass es die Möglichkeit gibt wenn man zum Beispiel ein Ticket kaufen will oder sonst irgendwelche Infos braucht vom Club, dass man da nicht einfach nur per Telefon anrufen kann, sondern dass es die Möglichkeit gibt, per Video und auch mit Übersetzung dieser Gespräche zu führen.

00:26:30: Und ja ich finde das sehr interessant, wenn man sieht in anderen Orten gehört das einfach dazu.

00:26:35: Das heißt ist es ja jetzt nicht unmöglich?

00:26:37: Vielleicht noch zum Schluss was würdest du sagen insgesamt?

00:26:40: Wir haben doch einige Kritik jetzt an der Schweiz gehört auch im Vergleich mit anderen europäischen Ländern.

00:26:45: wie weit ist die Schweiz in Bezug auf Barrierefreiheit aus der Sicht von den Personen, die ihr gesprochen habt aber auch vielleicht aus politischer Sicht.

00:26:53: gibt sich in den letzten Jahren Verbesserungen.

00:26:57: Sei es auch im Diskurs oder in der gesellschaftlichen Debatte, die eine größere Sensibilität hat für das Thema.

00:27:04: Wobei ich frage mich auch Edwin Ramirez spricht davon und das bezieht sich ja auf die Theater-Szene in Zürich, die vielleicht auch nicht repräsentativ jetzt für die Schweizerne zum dieses Thema geht.

00:27:14: Wahrscheinlich würden alle Gesprächspartnerinnen sagen wir sind immer noch nicht genug weit und das kann nicht sein dass es von einer einzelnen Person viel Eigeninitiative braucht, damit sie zu dem kommt was sie braucht.

00:27:28: Weil es ja gleichzeitig ganz viele Menschen gibt die aus unterschiedlichen Gründen diese Eigeninitiativen nicht zeigen können und deshalb bräuchte jetzt eben auf politischer Ebene Lösungen die wirklich nicht nur einer einzelnen Person das bieten was sie brauchen sondern standardmäßig.

00:27:46: Es braucht Lösungen und zwar für eins Komm acht Millionen Menschen deren Rechte die Schweiz hier verletzt noch immer.

00:27:53: Aber es tut sich was, auch das Openhaus Türich hat inzwischen eine neue Webseite.

00:27:58: Unter Service findet sich neu Openbesuch mit Handicap – da steht zum Beispiel dieser Hinweis!

00:28:05: Die Garderoben sind nur übertrepptenerreichbar.

00:28:08: Wenden Sie sich bitte an das Openhouse-Personal um Ihre Jacke an der Garderobe abzugeben.

00:28:14: Online ein Ticket kaufen?

00:28:16: Das scheint noch immer nicht zu funktionieren….

00:28:19: Der Barrierefreiheitscheck über ein entsprechendes Tool ergibt Not compliant.

00:28:24: Achtundsechzig Probleme müssten behoben werden, um dem internationalen Standard WCAG für Web Content Accessibility Guideline – zwei Punkt zwei zu genügen nachdem sich auch der Kanton Zürich richtet.

00:28:38: Außerdem der Vermerk ihre Website ist möglicherweise dem Risiko von Klagen wegen mangelnder Barrierefreiheit ausgesetzt.

00:28:45: Ob man das Open House verklagen könnte?

00:28:47: Wer weiß in anderen Ländern wäre das vermutlich bereits möglich!

00:28:55: Hörkombinat, Politik.

00:28:57: Es kombinierten Elvira Isenring und Dominik Dussek.

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