#114: Fürsorge als Verbrechen – Die Schweiz und die Jenischen

Shownotes

Seit Anfang 2025 ist es amtlich: Die Schweiz war Täterin in einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Fast fünfzig Jahre lang versuchten Organisationen und Behörden, die Lebensweise der Jenischen zu vernichten. Was tut die Politik jetzt?

WOZ – Die Wochenzeitung

Reden, um nicht zu ersticken – Uschi Waser - die Lebensgeschichte einer Jenischen

Reden, um nicht zu ersticken zeigt anhand der Lebensgeschichte von Uschi Waser, mit welcher systematischen Grausamkeit »Kinder der Landstrasse« gegen Familien vorging und welche Folgen das für die Betroffenen bis heute hat. Zugleich erzählt das Buch von einer Frau, die unermüdlich um Rehabilitierung und Gerechtigkeit kämpft.

Von Silvia Süess

Das Jenischen-Gutachten: Gravierend und einmalig Der Bundesrat anerkennt das Verbrechen gegen die Jenischen. Betroffene kritisieren jedoch dessen Verweis auf eine alte Entschuldigung. Von Silvia Süess

Verfolgung der Jenischen: «Die Assimilierung war das Mittel» Endlich anerkennt ein Gutachten: Die Zerstörung jenischer Familien in der Schweiz war ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Ein Meilenstein, sagt die Strafrechtsprofessorin Nadja Capus. Trotzdem äussert sie Kritik. Interview: Silvia Süess

Jenische: Mit dem Rotstift Eigentlich wollte sich Bundesrätin Baume-Schneider für die Verfolgung der Jenischen entschuldigen. Doch dann machten sich verschiedene Ämter ans Werk. Von Renato Beck und Silvia Süess

Blogbeitrag Nadine Gautschi: Die Situation der Jenischen in der Schweiz Anfang dieses Jahres hat der Bundesrat die Kindeswegnahmen und Geburtenverhinderungen bei Schweizer Jenischen im letzten Jahrhundert auf Grundlage eines Rechtsgutachtens als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anerkannt – ein Meilenstein in der Geschichte der verfolgten Minderheit. Doch wie ist ihre Situation heute?

Gesellschaft Minderheiten in der Schweiz: Jenische, Sinti und Roma in der Schweiz

Der Bundesrat – Das Portal der Schweizer Regierung: Der Bundesrat anerkennt Verbrechen gegen die Menschlichkeit an Jenischen und Sinti und bekräftigt Entschuldigung

Die Zeit: Der Kampf gegen alles Nomadische In der Schweiz wurden im 20. Jahrhundert bis zu 2.000 Kinder ihren jenischen Eltern weggenommen. Für den Bundesrat waren das "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Aber was folgt daraus? 

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Transkript anzeigen

00:00:02:

00:00:04: Es kombinieren Dominik Duseck und Elvira Isenring.

00:00:13: Die Schweizer

00:00:24: Bundesverfassung sagt es klar, niemand darf in der Schweiz diskriminiert werden – namentlich nicht wegen der Herkunft, der Rasse des Geschlechts, des Alters

00:00:33: usw.,

00:00:34: auch nicht wegen Lebensforms.

00:00:36: So steht es in Artikel acht Absatz zwei.

00:00:39: Zumindest seit dem Jahr zweitausend, seit in Kraft treten des Diskriminierungsverbots.

00:00:45: Irritieren spät.

00:00:46: Ebenfalls irritieren späht wurde Kritik an einer Praxis laut die Menschen zu Sesshaftigkeitswang und sie zu gesellschaftskonformen Menschen umerzog.

00:00:56: Bis nineteenhundertdachzig waren in der Schweiz über hunderttausend Kinder und Erwachsene von fürsorgerischen Zwangsmaßnahmen oder Fremdpazierungen betroffen.

00:01:06: Kinder, die man ihren Eltern wegnahm.

00:01:08: Erwachsene – die man in Anstaaten steckte.

00:01:11: Unter ihnen die jenischen.

00:01:13: Eine Minderheit, die bereits in der Schweiz lebte bevor es die Schweiz aus Bundesstadt überhaupt gab!

00:01:19: Die Verfolgung derjenigen geht weit zurück.

00:01:21: Mit der Gründung des Bundesstaates, aber sagt man spezifisch der nomadischen Lebensweise den Kampf an.

00:01:29: Die Sozialwissenschaftlerin Nadine Gaucce von der Berner Fachhochschule schreibt dazu in ihrem Blogbeitrag die Situation der Genischen in der Schweiz.

00:01:36: Sie mussten sich in zufällige Weltengemeinden niederlassen oder wurden in ihre Bürgerorte rückgeführt.

00:01:42: Aufgrund schlechter Erwerbsmöglichkeiten, Mangel an Wohnraum und gesellschaftliches Stigmatisierung lebten die Betroffenen oft weiterhin nomadisch – Die Strategie der Behörden ging nicht auf!

00:01:53: Heute leben in der Schweiz laut der Gesellschaft Minderheiten, etwa dreißigtausendjenige und einige hundert Sinti.

00:02:00: Nur noch ein kleiner Teil von ihnen – schätzungsweise zwei bis drei Tausend lebt fahrend oder harennomadisch!

00:02:07: Die Geschichte der Verfolgung jenischen ist aber nicht nur lang, vieles davon liegt auch nach wie vor im Dunkeln.

00:02:13: Wir versuchen heute die jüngere Geschichte etwas zu beleuchten.

00:02:17: Im Februar letzten Jahres wurde ein Rechtsgutachten veröffentlicht, das jenische Organisation seit Langem gefordet hatten und dass schließlich im Auftrag des Bundesrates erstellt worden war.

00:02:27: Sein Fazit war deutlich – die Schweiz hat im Umgang mit denjenigen einen Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Sinne des internationalen Strafgerichtshofs begonnen!

00:02:37: Was ist damals bis hinein in die siebziger Jahre passiert?

00:02:40: Wer war verantwortlich?

00:02:42: Und was tut die Politik

00:02:44: jetzt?!

00:02:44: Wurz-Redaktorin Sylvia Süß befasst sich schon sehr lange mit dem Thema.

00:02:48: Sie ist heute bei uns zu Gast, Dominik hat mit ihr gesprochen.

00:03:03: Kannst du vielleicht am Anfang hier kurz zusammenfassen, was ist da passiert über diese ungefähr fünfzig Jahre?

00:03:20: Es geht um das Projekt des sogenannten Hilfswerk für die Kinder der Landstraße.

00:03:27: Das von der Projuventute war und lanciert hatte das Alfred Siegfrieden, in den sechsundzwanzig Jahren.

00:03:34: Das Ziel dieses Projekts oder der Aktion, das war die Vagantität in der Schweiz auszulöschen.

00:03:41: Also die Vakantität – damit meinte er die fahrende Lebensweise.

00:03:45: Die Projuventute ist eine Stiftung, die von Staat mitfinanziert wird.

00:03:50: Deswegen ist auch die Schuld beim Staat in dieser Geschichte.

00:03:54: Von neunzehnzeixundzwanzig bis neunzigdreiundzipzig entriste die Projumentute rund sechshundert jenische Kindern ihren Familien unter dem Vorwand, sie vor dem Leben mit Vaganten trinkern und Dernen zu retten.

00:04:09: Nicht alle sind die und alle jenisch erlebenfahren das gibt auch sesshafte Und auch deren Kinder wurden den Familien entrissen.

00:04:17: Die Projamentute sperrte auch Schwangere ein Sie vollzogen ziemlich sicher Zwangssterilisationen und Zwangsinternierungen.

00:04:26: Und was noch wichtig ist zu sagen, ist dass die Projuventute nicht alleine tätig war – also sie machte das auch mit Unterstützung von Kirchen, von Gemeinden, von kantonalen Mitarbeitern – und diese Behörden waren zum Teil auch ohne die Projumentute tätig und deshalb geht man von bis zu zweitausend fremdplatzierten jenischen Kindern

00:04:46: aus.".

00:04:47: Das heißt, diese sechshundert sind davor genannt?

00:04:49: Die sind dokumentiert bei der Projuvantute

00:04:52: Genau.

00:04:52: Das sind zum Teil Tausende von Akten, die da angelegt worden sind und die sind nachweislich von der Preumentute umplatziert oder entführt sozusagen worden.

00:05:03: Und das heißt dieses Ziel den wakanten Lebensstil, wakante Lebensweise zu vernichten?

00:05:09: deklariertes Ziel, das allen Beteiligten bekannt war in dieser Formulierung?

00:05:14: Ja.

00:05:14: Das war ein dekleriertes Ziel und es war auch ein gewünschtes Ziel von sehr vielen.

00:05:18: Der Diskurs damals war so die Zigarneplage, die muss ausgerottet werden.

00:05:23: also das war sehr im Wunsch von den Behörden der Polizei Und als dieser Siegfried dann mit diesem Projekt kam, stieß er auf sehr offene Ohren.

00:05:34: Er hat sein Projekt übrigens auch in der NZZ lanciert und die NZZ wünschte ihm ein gutes Gelingen und rief auch zu Spenden auf – und ein sehr wichtiges brisantes Detail übrigens.

00:05:46: Siegfrid war zuvor Lehrerin Basel und er wurde im Jahr fournzwanzig verurteilt wegen sexuellem Missbrauchs an einem Schüler.

00:05:54: Er verlor die Stelle dort und im selben Jahr seiner Verurteilung wurde er in der Projamentute angestellt.

00:05:59: Also es ist wirklich

00:06:01: herstreutend... Und hat sich dann dort um die Moral im Land gekümmert?

00:06:05: Er übernahm dort die Leitung der Abteilung Schulkind.

00:06:08: Ja, man weiß nicht so genau ob die Projumentute davon wusste oder nicht.

00:06:14: Aber jetzt Sachen wie Kind wegnahmen geschweige Entzwangsterilisationen Das sind ja Wörter, die furchtbar klingen und das sind auch Maßnahmen, die sicherlich furchтbar sind.

00:06:23: Und das ist alles aber in einem, wenn ich es richtig verstehe, Rechtsbewusstsein geschehen.

00:06:27: Dass man Arbeit etwas Gutes tut eigentlich oder zumindest wurde das wahrscheinlich von vielen Beteiligten so gesehen?

00:06:33: Das war Zweifel ohne so und Siegfried konnte sich auch auf diese vermeintlich wissenschaftliche Forschung seine Zeit stützen also in den zwanzig Jahren.

00:06:43: Das waren die Rassentheorie- und die Eugenik, die davon ausgingen oder propagierten.

00:06:47: Es gibt sozusagen gutes Erbgut und schlechtes Erbgot.

00:06:52: Und das schlechte ErbGut, das muss vernichtet werden oder eben darf sich nicht fortpflanzen.

00:06:58: Nicht nur er sondern auch namhafte Psychologen oder Schweizer Psychiater wie Josef Jörger August Vorel oder Ernst Trüdin die waren sehr wichtig hier auch übrigens auch für Deutschland waren die wichtig.

00:07:13: Sie verbreiteten dann eben auch die Theorie, den jenischen Sein überdurchschnittlich vom Schwachsinn behaftet.

00:07:19: Und deswegen ist es sozusagen eine Gefahr für die Schweiz wenn sie sich fortpflanzen.

00:07:24: Wenn ihr jetzt schon von Deutschland spricht man weiß ja das bist du also in fünfundvierzig noch größere Maß haben in Deutschland und Österreich ähnliche Maßnahmen durchgeführt wurden aber diese Schweizer diese Maßnahmen gegen die Fahrenden die haben.

00:07:38: auch nach dem zweiten Weltkrieg sind die weitergegangen.

00:07:41: Ja, das ist eigentlich auch zusätzlich schockierend.

00:07:44: Also dass in der Schweiz einen Zasur darstellte, wurde einfach weitergemacht als ob nichts wäre.

00:07:53: Es ging ja bis in die siebziger Jahre, erst in zweiundsiebzig.

00:07:57: kam die Geschichte überhaupt in die Öffentlichkeit durch einen Artikel von Hanska Preetz im Beobachter.

00:08:02: Also eigentlich Mütter, die erzählt haben und denen geglaubt wurde.

00:08:07: Und erst dreiundsiebzig musste dann dieses sogenannte Hilfswerk schließen.

00:08:12: Was ist das?

00:08:13: Welches Hilfsweg musst du schliessen?

00:08:14: Weil die Proventute gibt es ja heute noch.

00:08:16: Genau!

00:08:17: Es ist auch ein blöder Name Hilfsberg.

00:08:19: Eigentlich nicht ein Hilfswerks.

00:08:21: Es nannte sich einfach so ... Die Proventude gibt's heute nach.

00:08:24: Sie hat sich dann auch entschuldigt.

00:08:26: Die, die jetzt bei der Proibentute schaffen, gehen sehr offen damit um.

00:08:30: Wir haben auch Kontakt mit jenischen und haben einen guten Umgang mit diesem Erbe.

00:08:36: Aber das sind natürlich auch die Nachgeboren sozusagen.

00:08:38: Das ist dann auch einfacher.

00:08:40: Aber einfach diese Aktion Kinder-der-Landstrasse wurde geschlossen.

00:08:45: Einblick in Alfred Siegfrieds Denken.

00:08:47: Es gibt übrigens einen Vortrag, den er in der Mitte aus der Schweiz vernichtet wurde.

00:09:00: Und das sagt er gegen Ende seines Vortrages – ich zitiere Die durch sorgfältige Überwachung und Führung erreichte Verhinderungen von unbesonnenen Heiraten, und der dadurch eingetretene Rückgang der Geburten darf füglich als ein Erfolg gedacht werden – und kompensiert die relativ geringe Zahl der deutlichen Erziehungserfolge.

00:09:22: Und erschließt dann mit dem Satz «Daneben wird aber die Internierung von Unverbesslichen» und die Verhinterung von unerwünschten Familiengründungen immer eine große Rolle spielen!

00:09:35: Wenn du es jetzt schon erwähnt hast, aber auf jeden Fall in deinen Texten der Wurz kommt das vor, dass auch irgendwann Akten vernichtet wurden.

00:09:41: Nicht bei der Bräuen Juventute offenbar oder bei anderen Beteiligten.

00:09:45: Das tut ja schon darauf hin, dass mindestens irgendwann Leute gedacht haben, vielleicht stehen wir doch nicht so gut da wenn das bekannt wird.

00:09:50: was für hierzu.

00:09:52: Weiß man wie viel da vernichtet worden ist?

00:09:54: Also nein ich weiß es nicht!

00:09:56: Ich weiß nicht ob es da Historiker gibt die mehr Zahlen hätten.

00:10:00: Soviel ich weiß hat Sepharische Liebeswerk hat Akten vernichtet, die waren ein wichtiger Akteur in der Geschichte.

00:10:08: Ein kirchliches Hilfswerk sozusagen!

00:10:11: Die hatten auch ein Haus, wo junge Frauen gebären konnten.

00:10:17: Also junge Frauen, die allein unverheiratet waren und wo niemand wissen durfte, dass sie schwanger sind, die wurden dorthin versteckt sozusagen, konnten dort gebären und das Kind wurde ihnen dann wettgenommen.

00:10:28: Die Kinder wurden zwangsadoptiert und von ihnen weiß man, dass die Akten vernichtet haben und zwar relativ spät noch als eigentlich die Aufarbeitung im Gang war was wirklich harstreubend ist.

00:10:40: Diese Aufarbeitung, dieses ganze Sachverhalten mit den Kindern der Landstraße ist ja schon seit einiger Zeit ein Thema in der Schweiz und es gibt auch schon eine Entschuldigung für diese fürsaugerischen Zwangsmaßnahmen.

00:10:54: Die Maße, die ich gegen den jenischen gerichtet habe, haben noch eine eigene Schärfe.

00:11:05: Was ist der Unterschied?

00:11:07: Warum ist dieser Fall der jenische ein besonderer Fall im Rahmen dieser Zwangsmaßnahmen?

00:11:11: Die Aufarbeitung der fürsorglichen Zwangsmaßnahmen hat so in den Zweitausenden begonnen.

00:11:17: Die Aufarbeitung von der Kindzwecknahme der jenischen hat ja schon in den siebziger Jahren begonnen und wenn man denkt, wie lange die Aufarbeitungen schon geht ist es eigentlich unglaublich, wie wenig passiert ist?

00:11:29: Die Betroffenen sterben weg oder sind schon weggestorben, die Täter sind auch weggesterben.

00:11:36: Dass die Kindswegnahmen der jenischen, die sind Teil von den fürsorglichen Zwangsmaßnahmen.

00:11:40: Die in der Schweiz üblich waren.

00:11:42: bis nineteeninunddachzig konnten Menschen für gesetzlich formulierte Zustände wie zum Beispiel Verwarlosung oder lasterhafter Lebenswandel Verschwendungen und auch Gefährdung konnten die eingesperrt werden.

00:11:55: Und es gibt Menschen, die sich wirklich über Jahre im Gefängnis gesessen obwohl sie nie-nie irgendetwas verbrochen haben.

00:12:03: Im Jahr zwei Tausend Dreizehn hat sich Frau Soma Ruga entschuldigt bei allen, die Opfer waren von v. Chr.

00:12:09: zwangsmaßnahmen.

00:12:10: also das war auch für den Kinder sehr viele.

00:12:13: Das waren eben nicht nur jenische.

00:12:15: Bei der Geschichte der jenischen bei dieser Kindzwegnahme ist eigentlich der Unterschied dass es hier um systematisch rassistisch motivierte Verfolgung ging und mit dem Ziel dieser Menschen als ganze Gruppe auszulöschen.

00:12:30: Und deswegen sind diese Kindswegnahmen auch eben ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

00:12:34: Die andere Geschichte der fürsorglichen Zwangsmaßnahme ist das nicht,

00:12:38: d.h.,

00:12:38: natürlich nicht dass diese Menschen weniger schlimme Schicksale hatten.

00:12:43: Es geht hier nicht darum was schlimmer war oder nicht aber es geht darum dass das wirklich rassistisch motiviert war mit dem Ziel die Gruppe Auszulöschung.

00:12:51: Genau diese Sachen werden beschrieben in diesem Gutachten, dass Anfang fünfundzwanzig veröffentlicht wurde.

00:12:56: Was wird denn da genau abgewogen?

00:12:58: Es gibt einerseits diese Vernichtungsabsicht, es sind aber andererseits keine Tötungen passiert.

00:13:03: Was sagt er das Gutachten zu diesem Verhältnis?

00:13:07: Also des Guttachten vom Völkerrechtsprofessor Oliver Dickelmann und seinem Team, das wurde ja erstellt auf mehrfachen Wunsch oder Forderung von jenischen.

00:13:15: die haben sich mehrmals ans Eti gewendet und sie wollten eigentlich ein Gutachten um herauszufinden, war es ein Genozid oder ein kultureller Genozid.

00:13:25: Und Dickelmann hat dann geprüft, eben war das ein kultureller Genozit?

00:13:29: Oder war es eine Verbrechen gegen die Menschlichkeit?

00:13:31: und er kommt eben zum Schluss Es war Verbrechung gegen die Menschenlichkeit, weil gezielt gegen eine Gruppe vorgegangen wurde und es war aber kein Genozide oder auch kein kulturelles Genozi... Weil keine Absicht der physischen oder biologischen Vernichtung bestand.

00:13:48: Es war eigentlich eine Zuführung in einer anderen Gruppe und so findet die Vernichtungsstadt nicht durch Tötung.

00:13:54: Ich glaube man kann aber auch sagen, dass Gutachten ist ja auch im Stritten unter ExpertInnen.

00:13:59: also die größte Kritikerin ist Strafrechtsprofessor Natja Gappi.

00:14:03: Also sie attestiert klar das ist ein Meilenstein.

00:14:05: und vielleicht muss man auch sagen Verbrechen gegen Menschlichkeit ist auf Selberstufe wie Genozid.

00:14:11: es ist nicht weniger schlimm im internationalen Völkerrecht.

00:14:15: Und sie kritisiert es aber, weil sie sagt, es hätte den Tatbestand von Genozid, weil die Kindzwegnamen hätten ja kein anderes Ziel als die Auslöschung der ethnischen Gruppe.

00:14:28: Also findet diese Auslöschung wirklich statt also entsprechen dieser Kindzwicknahme dem Tatbestands des Genozids.

00:14:36: Gut wie ihr mir das bewertet, du hast gesagt, dass die Vorgänge beschrieben werden und die Worte, für die Schweiz schrecklich.

00:14:43: In der Folge dieses Gut-Auchs und Anfang fünfundzwanzig wird dann die Politik in der Schweiz darauf

00:14:47: reagiert.".

00:14:49: Dickelmann selber nennt das eine eher schmallippige Entschuldigung?

00:14:53: Ja, die Politik hat sehr zögerlich drauf reagiert oder nein einerseits hat sie klar reagiert.

00:14:59: Frau Bohmschneider ist hingestanden und man hat gesagt man anerkennt dass gut achten.

00:15:04: Man hätte auch sagen können man anerkennen das nicht.

00:15:07: Was aber wirklich für Diskussion gesagt hat, ist dass sich Baumschneider bei den Betroffenen nicht entschuldigt hat im Namen des Bundesrates.

00:15:15: Sondern sie hat lediglich die Entschuldigung von Simonetta Somaruga wiederholt.

00:15:21: Genau dieser Unterschied hat sie ja mit dieser Wiederholung eigentlich nicht anerkannt.

00:15:26: Und das Interessante ist ja, dass Baum Schneider sich eigentlich entschuldigen wollte.

00:15:32: Aber sowohl das Bundesamt für Justiz als auch das EDA die waren dagegen und haben dann diese Entschuldigung, die eigentlich schon geschrieben worden war wurde danach umformuliert.

00:15:44: Das kam bei den jenischen sehr schlecht an.

00:15:48: Es war eben nicht die Entschuligung für das Verbrechen gegen Menschlichkeit.

00:15:52: Und was vielleicht auch noch interessant ist Frau Sommaruga hat sich damals nur entschuldigt für's Wegschauen und nicht fürs Mitmachen.

00:15:59: Und dieses Gutachten vom Dickelmann, eigentlich auch schon die erste wissenschaftliche Arbeit von Sablonier Meijer und Leimgruber zeigt das auch mega gut auf.

00:16:08: Das Buch von Sarah Galle, die ja so das Standardwerk gemacht hat, die zeigen alle extrem gut auf wie eben... der Staat, wie die Gemeinden und die Kantone mitgemacht wurden.

00:16:19: Die Justit, die Kirchen – es war nicht nur ein Wegschauen, sondern ein aktives

00:16:24: Mitmachen.".

00:16:26: Der Staat spielte eine aktive Rolle.

00:16:28: Seine Taten waren rassistisch motiviert.

00:16:31: Der Bundesrat jedoch sträubt sich, Farbe zu bekennen.

00:16:34: Die Furcht vor weiteren rechtlichen oder politischen Konsequenzen scheint ziemlich groß zu sein!

00:16:39: Die Reaktion des Bundesrates war aber nicht nur Verhalten, er brauchte dazu auch erstaunlich lange.

00:16:45: Das Gutachten lag bereits im September XXIV auf dem Tisch, veröffentlicht wurde es erst ein halbes Jahr später.

00:16:52: Hin und her diskutiert wurde die Frage ob sich der Bundesrat entschuldigen will – auch dafür dass der Staat aktiv an der Verfolgung den jenischen mitgewirkt hat oder ob es reiche das Geschehen einfach zu bedauern?

00:17:04: Das geht aus einem Aussprachepapier des Innendepartements hervor, auf das die Wochenzeitung «Die Zeit im Artikel der Kampf gegen alles Nomadische» referiert und deren Herausgabe die Wurz über das Öffentlichkeitsgesetz gefordert hatte.

00:17:18: Die Zeit konstatiert, am zwanzigsten Februar ist kurzfristig eine Pressekonferenz anberammt.

00:17:23: Die Plätze sind rein weiße Leer.

00:17:25: Elisabeth Baum Schneider vertritt allein die Landesregierung und wird nicht wie bei Geschäften von großer Tragweite üblich von der Bundespräsidentin begleitet.

00:17:34: Sichtlich gerührt wendet sie sich an die Öffentlichkeit und sagt was das Kollegium ihr zu sagen erlaubt hat – Sie bekräftigt die Entschuldigung aus dem Jahr zehntzehnteizehn.

00:17:43: Bis jetzt ist also sehr wenig geschehen!

00:17:46: Was wird weiter folgen?

00:17:49: Entschuldigen ist das eine, nicht mal.

00:17:50: das hat anscheinend aus der Sicht der Betroffenen richtig geklappt.

00:17:54: Das andere wäre jetzt vielleicht Fragen auftauchen wie muss das Land in irgendeiner Art von Mittergutmachung leisten?

00:18:01: dieser Bitwohr-Schneider oder die Innenministerin der Schweiz hat auch gesagt man muss jetzt handeln aber abgesehen von dieser wiederholten Entschulung hat sie gehandelt?

00:18:09: in den einen halben Jahren seitdem?

00:18:11: Nein, nicht wirklich.

00:18:12: Also Wiedergutmachung finde ich ein schwieriges Wort weil ich glaube man kann das nicht wieder gut machen.

00:18:18: die Betroffenen konnten ja auch im Zusammenhang mit den vor neunzigern Jahre bei der ersten Aufarbeitung bekam Betroffene auch ein bisschen Geld aber wenn man sieht was sie erlitten haben ist es nichts.

00:18:29: Ich sehe jetzt nicht so wo sie gehandelt hat.

00:18:32: ehrlich gesagt Es wurde jetzt vor allem viel geredet und Ja also wie es aussieht kommt es jetzt wahrscheinlich dazu, dass das was die jenischen eigentlich schon vor mehreren Jahren gefordert haben umgesetzt wird.

00:18:48: Die jenische fordern die Einsetzung einer unabhängigen Kommission, die auf den Schwane-Prinzipien passiert und die Schwane Prinzipien sind Prinzipien nach denen man Versöhnungsprozesse gestaltet.

00:19:01: Die anderen kennen die Rechte der Opfer und legen die Pflichten des Staates fest.

00:19:06: Und was interessant ist, dass die Schweiz – also namentlich das EDA – ist sehr stolz darauf, dass sie im Ausland solche Prozesse begleitet und da sehr federführend ist.

00:19:16: Und sich aber im Inland eben so eigentlich sträubt, dass man das macht.

00:19:22: Auch von Seiten der Wissenschaft gibt es Forderungen von Expertinnen und zwar sagen die Es müsste weitere Forschung gemacht werden, es müsste eine unabhängige Expertenkommission gegründet werden weil es immer noch sehr viele Lücken gibt, namentlich bei kantonalen Behörden unter anderem eben die Justiz, die auch mitgearbeitet hat.

00:19:43: Das sind Dokumente von Institutionen zur Justiz wo man nicht weiß was da gelaufen ist.

00:19:48: also dass immer noch einiges aufgearbeitet werden sollte.

00:19:53: Ja, jetzt wenn ich ein bisschen den Misstrauischen spielen darf.

00:19:56: Wenn ich höre sollen eine weitere Kommission eingesetzt werden nach Wissenfordern und so weiter das klingt für mich einfach noch etwas mehr Zeit vergeht.

00:20:03: dabei scheint es mir als spätestens nach diesem Gutachten jetzt sozusagen dass die Politik einfach jetzt Entscheidungen treffen könnte zum Beispiel in solchen Prozess wie er gefordert wird einzuleiten Und diesen wünschen der jenischen entgegen zu kommen.

00:20:15: sehe ich das dann mal richtig?

00:20:16: oder wäre das was was parallel laufen könnte?

00:20:20: Also ich glaube das könnte parallel laufen.

00:20:22: Ich glaube, es ist auch mega wichtig, dass man jetzt wirklich einfach auf die Betroffenen hört und sagt, wenn die das wünschen, dann machen wir das.

00:20:28: Es gibt auch ein Bericht von Moblekert wo genau drin steht wie man diesen Prozess aufgeleisten kann, wen man da wie einsetzen könnte.

00:20:37: ich glaube auch die Kosten... Das ist gar nicht so viel was natürlich das Problem isst oder?

00:20:42: Es sind alle Täter gestorben!

00:20:44: Das wäre rein auch symbolisch sehr stark oder man könnte noch Leute anklagen.

00:20:50: Das verjährt ja nicht dieses Verbrechen.

00:20:52: Aber die sind ja, man hat schön lange gewartet.

00:20:55: Die sind alle weggestorben?

00:20:57: Jetzt vielleicht noch eine Frage, speziell auch zur Rolle der Linken.

00:20:59: haben wir von Elisabeth Bum Schneider gesprochen.

00:21:01: Sie ist SP Bundesrätin.

00:21:04: Es gibt ja auch einen Sinn zu Aussagen dass der Bundesrat in der Mehrheit dieser Bürgerlicht dominiert.

00:21:10: sie hat sozusagen wie ein bisschen so gehandelt weil sich umgeahnt hat.

00:21:13: damit komme ich nicht durch da mache es ein bisschen abgeschwächt.

00:21:16: Andererseits muss man sagen das Bundesamt für Justiz, dass sich da gegen eine deutliche Entschuldung aussprochen hat.

00:21:21: Das war auch in Esbehand, nämlich Beat Jans ist der Justizminister und Anfang des Seifens der Schweiz.

00:21:27: Könnte nicht die Linke dann noch... Also mein Eindruck ist, ich könnte noch viel mehr unternehmen, dass da Schwung reinkommt in diese Sache?

00:21:34: Auf jeden Fall!

00:21:35: Und klar gibt es Linke, also es gab schon verlängern meinen Vorstoß von Prelijuber, von den Grünen.

00:21:42: Es gab jetzt diesen Vorstoß von Schmetzer und Vensometer, der ist zwar Mitte.

00:21:46: Also Schmetzern ist von der SP-Messometer ist von den Mitteln.

00:21:50: Das ging es darum dass der Nationalrat auch das Verbrechen anerkennt.

00:21:54: aber ja also ich glaube diejenigen haben einfach keine Lobby.

00:21:59: Dass sie vorhin auch gesprungen von der Rolle der Schweizer genaues internationale Vermittler gerade was so Kriegsverbrechen usw.

00:22:06: betrifft sieht sich die Schweiz gerne.

00:22:08: Könnt's auch damit zu tun haben, dass die Schweiz Angst hat ihr an, sie im Ausland würde schlechter wenn jetzt zu viel darüber gesprochen wird?

00:22:15: Auf jeden Fall.

00:22:16: Anscheinend ist es wirklich auch der Außenminister Gassi, der sich da extrem streubt dagegen irgendwas zu tun und das möglichst klein halten will.

00:22:24: also das sind so verschiedene Quellen die mir das so ein bisschen informell gesagt haben.

00:22:29: aber die Schweiz als das sauberer Land, dass das sicher staunlicherweise immer noch halten kann.

00:22:37: Ja, das möchten Sie bestimmt.

00:22:39: Also es ist ganz sicher ein Grund, dass man das möglichst kleinhalten

00:22:42: möchte.".

00:22:43: Ich kann vielleicht kurz erzählen, dass ich wohne ja nähe von so einem kleinen S-Bahnhof.

00:22:48: in der Stunde hält einen Zug dort aber das Gelände ist relativ groß viel Freifläche.

00:22:53: und wie ich da neu war dort hat mich einer gesagt ja hoffentlich bauen sie da jetzt mal mehr hin.

00:22:59: irgendwas müssen wir hinfahren weil sonst kommen die Zigeuner.

00:23:02: Das war die Original Aussage.

00:23:04: Wie ist das Verhältnis der Schweiz und offiziellen Schweizer, den jenischen und den fahrenden Heute?

00:23:10: Die jenische sind immer noch sehr viel mit rassistischem Vorurteilen.

00:23:15: Wird ihnen begegnet.

00:23:16: Letzte Woche ist gerade ein neues Bericht zu den Stand- und Durchgangsplätzen erschienen.

00:23:21: Da kommt alle fünf Jahre.

00:23:23: Der zeigt nach wie vor – also auch jetzt – dass es noch immer vierzig Prozent der benötigten Halterplätze fehlen.

00:23:31: Die Gemeinden haben null Interesse, hier irgendwie Hand zu bieten.

00:23:36: Die Leute werden sich dagegen die Bewohner mit wirklich sehr rassistischen Vorurteilen... ...jenige, die Fahrendleben erzählen auch von Polizei-Aufgeboten einfach so dass irgendwie die Plätze durchsucht werden oder morgen früh kommen die einfach zur Polizei da macht irgendeine Machtdemonstration.

00:23:56: Die jenischen sind ja eine anerkannte Minderheit in der Schweiz.

00:24:00: Und die sind sie auch, wir haben jetzt immer noch von den jenischen gesprochen und die Schweiz ist eigentlich verpflichtet, die Rahmenbedingungen zu stellen, die ihre Lebensweise ermöglicht.

00:24:09: also es ist nicht einfach a nice to have.

00:24:11: Die Schweiz müsste das machen und ja man könnte doch sagen, die Schweiz könnte ja stolz sein dass es hier noch Wander gibt oder was auch immer.

00:24:19: stattdessen eben passiert nichts oder viel zu wenig.

00:24:28: Die Schweiz hat im Umgang mit ihren jenischen Bürgerinnen und Bürgern ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit begannen.

00:24:34: Bis jetzt folgt daraus wenig bis nichts!

00:24:36: Betroffene sind empört, sie wollen aber nicht nur Worte hören sondern vor allem Taten sehen – zum Beispiel die Richtung von mehr Standplätzen.

00:24:44: Wie wir gehört haben fehlen davon vierzig Prozent.

00:24:47: Die Zahl der wenigen Durchgangsplätze ist sogar rückläufig, schreibt Sozialwissenschaftlerin Nadine Gauci auf ihrem Blog.

00:24:54: Die Infrastruktur weist an vielen Orten eklatante Mängel auf.

00:24:58: So fehlen etwa Wasser- und Stromanschlüsse oder die sanitären Anlagen sind ungenügend.

00:25:04: Und noch immer gibt es viele Vorurteile, noch immer werden jenische Unzinti in der Schweiz diskriminiert – vor allem die reisenden Familien.

00:25:11: Aufklärung in den Schulen könnte eine wirksame Maßnahme dagegen sein!

00:25:15: Dort sei die Verfolgung von jenischen Unzinte unbekannt kritisiert Isabella Huse Mitglied der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus gegenüber SRF Kurz, es braucht mehr und intaktere Standplätze.

00:25:27: Mehr Aufklärung, mehr Aufarbeitung.

00:25:30: Apropos!

00:25:30: Unser Gast Silvia Süß hat nicht nur unzählige Artikel verfasst sondern auch ein Buch.

00:25:35: Reden um nicht zu ersticken heißt EES.

00:25:38: Es zeichnet die Lebensgeschichte einer Betroffenen nach Uchiwaza.

00:25:42: Sie ist in unzähligen Heimen aufgewachsen und engagiert sich heute aktiv für die Aufarbeitungen ihrer eigenen Geschichte und jener derjenigen.

00:25:49: Eine Lesempfehlung

00:25:57: Es kombinierten Elvira Isenring und Dominik Dussek.

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