#110: Leben im Finanzprodukt – Die Zürcher Grundbuch-Recherche (Teil 1 von 2)

Shownotes

Bei 1 % leer stehenden Wohnungen spricht man von Wohnungsknappheit. In Zürich lautet die Zahl 0,1 %. Dementsprechend hoch sind die Mieten. «Tsüri» und WAV haben gemeinsam das Grundbuch der Stadt analysiert. Wem gehört Zürich? Wer verdient an Zürich?

Tsüri.ch und WAV Recherchekollektiv

Grundbuch-recherche

Lex Koller und Zürich: Das ausländische Kapital bleibt im Verborgenen Der Bundesrat prüft eine Verschärfung der Lex Koller – betroffen wäre auch knapp ein Zehntel der Zürcher Wohnfläche. Während Immobilienunternehmen warnen, begrüsst die bekannteste Schweizer Wohnpolitikerin die Vorlage. Von Von Olivier Christe (Redaktor WAV Recherchekollektiv), Balz Oertli (Redaktor WAV Recherchekollektiv) und Nina Graf (Redaktorin Tsüri.ch)

ETH Studie: Bautätigkeit und Verdrängung in der städtischen Schweiz

SRF Dokus & Reportagen: Wo-wo-Wohnungsnot – Das Zürcher Monopoly Leerkündigungen, Ersatzneubauten und Verdrängung von Langzeitmietenden, die sich Marktpreise nicht leisten können: Alltag im Hotspot Zürich. Wohnen als Grundbedürfnis versus Betongold als rentable Anlage. Was tun?

Veranstaltung: Wem gehört Zürich?

Hörkombinat :Politik

#2: Wohnraum als Ware. Im Fokus: Das Seefeld Quartier. Ein Gespräch mit tsüri.ch-Redaktor Steffen Kolberg und mehr

#31: Haben und Nichthaben – Eigentum neu gedacht Ein Gespräch mit Politologin und Autorin Sabine Nuss und mehr

#42: Kontrolle ist besser – Was tun gegen die Mietpreisexplosion? Ein Gespräch mit Lara Blatter (Tsüri) und mehr

#78: Geschäftsmodell: The Next Generation – Ausbeutung auf dem Wohnungsmarkt Ein Gespräch mit Jenny Bargetzi (Tsüri.ch)

Schreib dich für den Newsletter ein!

Unterstütze uns finanziell über Steady oder Paypal.

Transkript anzeigen

00:00:02: Hör kombiniert, Politik.

00:00:04: Es kombinieren Dominik Duseck und Elvira Isenring.

00:00:09: Heute leben im Finanzprodukt Teil eins.

00:00:14: Waff und Zürich analysieren die Eigentumsverhältnisse in Zürch anhand des Grundbuches.

00:00:29: Wenn man auf Mietportalen wie Homegate oder EmoScout nach Wohnungen in der Stadt Zürich sucht, dann findet man dort sehr wenige dafür sehr teure Angebote.

00:00:37: Je nach Plattform zwischen tausend und sechzig und tausendeinhundertdreiundneunzig Treffel eine einen halbzimmer Wohnung mit vierundzwanzig Quadratmetern für über zweitausend Franken.

00:00:48: dreieinhalb Zimmer für dreitausend fünfhundert viertausenfünfhundert Franken

00:00:52: etc.,

00:00:53: bei vielen Inseraten steht Erstvermietung erst Bezug Brand neue Wohnung Nach der Faustregel, dass man nicht mehr als dreißig Prozent des Lohnes fürs Wohnen ausgeben sollte ist klar.

00:01:03: Diese Wohnung können sich nur noch Leute leisten, deren Einkommen über den Mediandron liegt.

00:01:08: Die Mieten steigen und steigen – die Löhne jedoch bleiben gleich!

00:01:12: Eine Schere, die sich seit den siebziger Jahren immer weiter öffnet.

00:01:15: Der Wohnungsmarkt wurde über die Jahre schrittweise dereguliert, kapitalstarke Akteure zunehmend begünstigt was zu der Situation geführt hat, die wir heute antreffen — einer anhaltenden Wohnkrise.

00:01:27: Heute werden ganze Siedlungen leer gekündigt, die Bewohnerinnen verdrängt.

00:01:32: Sie verlieren damit nicht nur ihr Zuhause sondern auch ihr über Jahre oder Jahrzehntige wachsendes nachbarschaftliches Umfeld.

00:01:39: Soziale Faktoren werden nicht eingepreist wenn es gilt aus dem existenziellen Bedürfnis Wohnen Kapital zu schlagen.

00:01:46: Die Angst vor Verdrängung ist real und allgegenwärtig Betroffen sind laut einer Studie der ETH zur Bautätigkeit und Verdrängung in der städtischen Schweiz vor allem einkommensschwächere Haushalte, ältere Menschen, Minderheiten und Alleinerziehende.

00:02:01: Zurückziehen können Sie nicht!

00:02:02: Die brandneuen Wohnungen in den Ersatzneubauten können sie sich nämlich nicht mehr leisten.

00:02:08: Seit der Revision des Raumplanungsgesetzes, hat sich die Art des Bauerns geändert.

00:02:14: Es wird nicht mehr auf grünen Wiesen oder auf Industrie- oder Gewerbearealen gebaut – es wird verdichtet.

00:02:20: Alte Häuser werden abgerissen, Neue werden gebaut, größer und mehr auf weniger Raum.

00:02:25: Die Innenverdichtung ist grundsätzlich sinnvoll und würde wohl auf breite Akzeptanz stoßen wenn sie nachhaltig ökologisch und sozial verträglich wäre.

00:02:34: Oft ist sie es nicht!

00:02:36: Verträngung ist aber nicht nur für die Betroffenen dramatisch, das Fehlen von sozialer Vielfalt und Durchmischung trägt unweigerlich zur Polarisierung der Gesellschaft bei.

00:02:45: So viel zu den Problemen und den Verlierern innen der aktuellen Wohnpolitik – doch wer gewinnt?

00:02:51: Wer profitiert von der Krise?

00:02:53: Um diese Frage zu beantworten muss man zuerst wissen wie ihm all diese Immobilien gehören… gar nicht so einfach!

00:03:00: Zürich.ca und das Waff-Recherche-Kollektiv haben darum eine umfangreiche Grundbuch-Recherche gemacht, um die Eigentumsverhältnisse in der Stadt Züricher aufzudröseln.

00:03:10: Wer entscheidet darüber wie wir wohnen?

00:03:12: Balds Oertli und Nina Graf sind heute bei uns zu Gast.

00:03:15: Dominik hat mit ihnen gesprochen.

00:03:19: Nina Graaf balds Oortli.

00:03:21: es geht heute um eine Zusammenarbeit von Züri und Waff.

00:03:25: Es geht um die sogenannte Grundbuchrecherchen Darum, wem gehört was in Zürich?

00:03:30: Wie sind die Besitzverhältnisse bei Wohnhäusern und bei Immobilien.

00:03:34: Was genau wollte sie denn herausfinden mit dieser Recherche?

00:03:37: Was sind die Ziele, warum habt ihr das gemacht, diese doch umfangreiche Recherchen?

00:03:43: Wir wollten damit da sichtbar machen, was bisher unbekannt war – und zwar die Antwort auf die Frage «Wem gehört Zürch?», der profitiert von dieser Wohnkrise, die wir hier haben in der Stadt.

00:03:54: Die Grundlage dafür ist nämlich nicht bekannt.

00:03:56: Das Grundbuch des sämtliche Daten eine Eigentumsverhältnisse niedergeschrieben hat.

00:04:01: Das ist nicht öffentlich zugänglich, das sind der vierzigtausende Haushalt in der Stadt Zürich und man kann pro Tag fünf Informationen abfragen.

00:04:10: also da kommt man nicht dran.

00:04:12: Ist es eine Zürcher Besonderheit dass das nicht einsehbar ist?

00:04:15: Nein, wie du federal gehandhabt aber es ist tatsächlich.

00:04:18: viele Kantone haben da Beschränkungen drauf.

00:04:21: alle Kantonen haben Beschränkung.

00:04:23: Man kann im Grundbuch immer nur Grundstücks bezogen Abfragen machen und immer begrenzt zwischen fünf und zehn pro Tag.

00:04:31: Und ihr habt jetzt irrsinnig viele Anfragen über eine irrsiniche lange Zeit gemacht.

00:04:35: oder wie seid ihr vorgegangen?

00:04:38: Oh,

00:04:39: ich glaube Sie dürfen

00:04:40: es vielleicht gar nicht sagen!

00:04:42: Und Fragen die kann man weniger gut beantworten aber am Schluss hatten wir jedenfalls Zugriff auf das ganze Grundbuch der Stadt Zürich.

00:04:48: also unser Datensatz umfasst jetzt alle Grundstücke die bebaut sind dass auf den Gebäude stehen in der Stadt zürich.

00:04:56: Und was kann man jetzt mit diesen Angaben, die vorher niemand in dieser Pflichte so auf einmal gesehen hat?

00:05:02: Was kann man da herauslesen, was man vorher nicht herauslesenn konnte.

00:05:06: Wir starten ja vom Punkt aus, dass wir in der Stadt Zürich eine Wohnung ... Krisen haben.

00:05:13: Man spricht, sobald weniger als ein Prozent der Wohnungen leer stehen, sprich man von einem akuten Wohnungsmangel.

00:05:19: und in der Stadt juristisch sind wir bei Null, ein Prozent.

00:05:22: die Nachfrage ist groß, die Mieten steigen, die Leute finden kein Wohnraum mehr.

00:05:28: und über den Begriff Wohnkrise Ich glaube, das kann man streiten.

00:05:32: Ist es eine Wohnkrise?

00:05:33: Weil es ist ja kein Naturgesetz, dass Mieten steigen und dass Lehrkündigungen stattfinden.

00:05:37: Das ist die Folge von den Entscheidenden, die irgendwelche Personen getroffen haben.

00:05:41: Und damit man dort auf eine Antwort kommt, ist es sehr relevant zu wissen wer diese Entscheide treffen kann.

00:05:47: Also wem gehören diese Häuser in denen wir wohnen?

00:05:50: Diese Frage sind wir jetzt auf verschiedensten Wegen nachgegangen.

00:05:54: Wenn du schon von den Preisen sprichst, kannst du mal kurz so in Worte fassen wie die Mitpreise in Zürich in den letzten Jahren gestiegen sind.

00:06:02: Meine Eindruck ist es sind unglaublich gestiegen, aber vielleicht ist der Eindruck ja falsch?

00:06:06: Auf der einen Seite haben wir den Aspekt der Bodenpreise auf das steht ja alles drauf und dass in der Stadt Züricher der Preis für bebauten Grundstück in den Letzten fünfzehn Jahre hat er sich mehr als verdoppelt.

00:06:19: Dann in den bewohnten Immobilien haben wir die Mietpreise, dort unterscheidet man immer zwischen Angebotsmieten und Neumieten.

00:06:28: Bei der neuen Mietprise, also jene, die man antrifft wenn man jetzt auf der Suche nach einer Wohnung ist da gab es einen besonders starken Anstieg.

00:06:36: Seit Nineteinneunzehnte gab es für die Stadt Zürich einen Anstieg um Sechsundneunzig Prozent.

00:06:42: Das ist sehr viel mehr als im Kanton, da waren es achtundsechzig Prozent und Wohnen in der Stadt ZÜRICH ist auch ca.

00:06:48: zwanzig Prozent teurer als im Rest des Kantons.

00:06:51: also man merkt das wirklich nicht nur den Großraum Züricher, sondern dass je näher wir an die Stadt gestern größer ist das Problem.

00:06:57: Also das Höhe steigen die Mieten.

00:06:59: Grundsätzlich wird hier eigentlich unterschieden zwischen Bestandsmiete, das ist ein Mietvertrag der schon eine gewisse Weile dauert und wie einem neuen Miet-Vertrag.

00:07:08: Und dann wird auch unterschiedend, ob die Miete jetzt von einer Genossenschaft oder so eine nicht kommerzielle Angebotmiete ist oder es gibt danach die kommerziellen Mieten.

00:07:16: Diese Mietpreiserhebung macht die Stadt so eine offizielle Statistik.

00:07:20: Kommen wir zur Frage, wem gehört was?

00:07:23: Es gibt da grob gesprochen wie drei Gruppen.

00:07:25: Es gibt Privatpersonen, die Häuser besitzen – es gibt Konzerne, die Häuser besiessen und es gibt gemeinnützige Einrichtungen wie die Stadt- und Genossenschaften.

00:07:34: Die Häuser Besitzen.

00:07:35: Und mir scheint ich habe da jetzt unterschiedliches gelesen sind die Konzerner bereits die größte Gruppe der Häuserbesitzer in Zürich oder sind das noch die Privat Personen?

00:07:45: Ein bisschen darauf an, wie man zählt.

00:07:47: Das sind unsere Recherche.

00:07:48: wir schauen daher dann am Schluss an wer besitzt wie viel Wohnraum also wirklich in Quadratmeter und die Stadt die schaut da an werbesitzt Wie viele Einheiten?

00:07:58: Also wie viele Wohnungen?

00:08:00: Und gemäß den Zahlen der Stadt hat sich das vor ein paar Jahren schon getreten.

00:08:04: Da haben zum ersten mal eigentlich juristische Gesellschaften mehr Wohnungen besitzt als Privatpersonen.

00:08:10: Jetzt in unserer Recherche war das nicht so, den meisten wohnen Raum und es waren bei uns jetzt neununddreißig Prozent oder das liegt in der Hand von Privatpersonen.

00:08:20: Aber anscheinend gibt's auf jeden Fall eine Bewegung weg von den Privatprisonen hin zu den Konzernen?

00:08:25: Warum gibts diese Bewegung?

00:08:27: Tatsächlich gab es das letzte Jahr, bis zu den Jahren des Zweitausundzwanzig, so viele Handänderungen wie noch nie in der Stadt Zürich.

00:08:34: Also so viele Privatpersonen wie noch nicht haben ihre Immobilien verkauft.

00:08:39: auf der Empfängerseite stehen dann diese großen Konzerne die auch bei uns in der Recherche als dominante Figuren auf diesem Wohnungsmarkt erschienen sind.

00:08:47: Dann kommt es darauf an wenn man fragt im Berichterstattung die sich explizit jetzt um diese Zahlen gekümmert hat wurde dann genannt wegen komplexer Bauvorschriften oder irgendwie politischen Unsicherheiten, hätten die Personen das Wohneigentum verkauft.

00:09:01: Aber das zeigt auch wieder sehr gut.

00:09:03: also alles was man im Bereich Wohnen anschaut ist einfach sehr stark politisiert und es kommt immer wirklich darauf an wer spricht mit welchem Interesse?

00:09:12: Scheint's gelten ja Immobilien als attraktive Anlage und so weiter, wir kommen noch darauf sind Konzern auch aktiv darauf aus dass sie neue Grundstücke in Neue Gebäude von Privatpersonen erwerben können?

00:09:22: aber Da kann man sich ein Grundbuch nichts dazu finden.

00:09:25: Die Stadt hat eine Handänderungsstatistik für, wieso, wer an wen Grundstücke verkauft in der Stadt und wenn man die konsumiert sieht man dass es auch ein bisschen trend ist das kommerzielle Akteurinnen oder Unternehmen mehr und mehr Grundstücken kaufen in den letzten Jahrzehnten eine zunehmende Tendenz hat.

00:09:45: Und sind dieses eure Sicht also an Erkenntnissen heraus?

00:09:48: Wenn man das jetzt verbindet, der Anteil der Konzerne nimmt zu deutlich gestiegen in den letzten zwei, drei Jahrzehnten.

00:09:55: Das Gebaren dieser Großkonzerne der Hauptgrund für die Preisentwicklung?

00:10:00: Ich würde sagen das ist wahrscheinlich eine Frage von Korrelation und Kausalität.

00:10:06: Und dass es wahrscheinlich die Hauptfrage, die auch politisch sehr unterschiedlich beantwortet wird...

00:10:12: In der ganzen Schweiz führen wir diese... Debatte auf allen Ebenen.

00:10:15: Was ist Schulter an?

00:10:17: Sind es die Bauvorschriften, die zu streng sind?

00:10:19: Wird zu wenig gebaut?

00:10:20: Das würden jetzt die Bürgerlichen sagen.

00:10:23: Es gibt so viel Zuwanderung, dass sich das setzt zurück.

00:10:25: Das würde jetzt die Rechten sagen und die Linken würden sagen, jetzt die falschen Leute bauen aus den falschen Gründen, die falsche Wohnungen.

00:10:32: Also das kommt auf die Besitzverhältnisse darauf an und die Tatsache eben, dass Wohnungen zu einer Wertanlage wurden.

00:10:39: Ebenes kommt wirklich drauf an wenn man fragt

00:10:44: Wohnungen sind eine Wertanlage und auch mit dem Boden wird spekuliert.

00:10:47: Boden ist ein Marktgut, sagt die Assistenzprofessorin- und Raumplanungsspezialistin Capriela de Brunel im SRF Dogfilm.

00:10:55: Wo Wo Wohnungsnot?

00:10:57: Und dann kommt es ja auf etwas Grundsätzliches zu sprechen nämlich darauf dass heute diejenigen profitieren die vor langer Zeit einmal das Glück sprich Das Geld hatten Boden zu kaufen Die anderen nicht.

00:11:08: Sie sagt was zum Beispiel gehört uns allen Wasserquellen in der Schweiz haben wir nicht privatisiert und gesagt, nur wer am meisten verdient kann sich das Wasser noch leisten.

00:11:18: Und wer weniger verdient hat keinen Zugang zum Wasser – aber beim Boden ist es so!

00:11:23: Wenn Boden knapp ist und die Nachfrage groß, steigen die Preise.

00:11:27: Somit steigen Investitionskosten mit dem Resultat das nur noch kapitalstarke Akteurinnen mithalten können.

00:11:34: Kommerzielle Immobilienbesitzende richten die Mietpreise wiederum nicht nach den effektiven Kosten sondern danach aus was der Markt maximal hergibt – und was gesetzlich erlaubt ist!

00:11:46: Das Gesetz, also das Schweizer Mietrecht begünstigt kommerzielle Immobilienbesitzel.

00:11:52: Das beschreibt der Watson Artikel wie unser Mietrecht institutionelle bevorteilt.

00:11:57: Konkret funktioniert das wie folgt.

00:11:59: Das Gesetz besagt, dass Mieten dann erlaubt sind wenn sie eine zulässige Netto-Rendite nicht überschreiten und diese Netto Rendite ist definiert als Ertrag im Verhältnis zum eingesetzten Eigenkapital.

00:12:12: Die Nettorendite Berechnung ist direkt an das eingesetzte Eigenkapitel gekoppelt.

00:12:17: Wer mehr Kapital hat darf mehr verdienen für dieselbe Wohnung mit denselben Leistungen.

00:12:22: Das ist kein Versehen, sondern eine gesetzlich kodierte Bevorzugung von Kapitalstärke.

00:12:29: Eigentumsverhältnisse und das Gesetz verstärken sich gegenseitig.

00:12:33: Weil institutionelle Eigentümer durch das Gesetz höhere Nieten erzielen dürfen, können sie Liegenschaften zu höheren Preisen kaufen als Privatpersonen – das treibt die Bodenpreise in die Höhe!

00:12:44: Das macht Privateigentum noch unzugängliche.

00:12:47: Willkommen im Immobilienfinanzkarussell.

00:12:51: Wenn man zum Beispiel die SP-Politikerin Jacqueline Bardran fragt, die sich seit Jahrzehnten immer sehr aktiv einmischt in die Wohnpolitik.

00:13:02: Die sagt, wohnen ist zu einem reinen Finanzprodukt geworden aufgrund dieses immer stärkerweiten Investitionsinteresses das bei euch ja auch vorkommt und das bei uns auch für einen anderen Folgen vorgekommen ist – es ist eine Übertreibung!

00:13:14: Das Rhein ist sicher eine teilweise Übertreibung, weil unsere Recherche zeigt ja zum einen schon auch das viel Wohnraum besitzen Privatpersonen und davon auch viel Wohnräumen.

00:13:22: halt dass die Menschen in ihren eigenen vier Wänden wohnen.

00:13:25: Und wenn man die Stadt anschaut es gibt viele Bereiche der Stadt wo hat ein Familienhäuser sind Auch da ist der Wohnraum viel teuer wird viel mehr Geld umgesetzt, aber das ist wahrscheinlich nicht das wo man richtig hohe Renditen rausholt.

00:13:39: Ich glaube was unsere Recherche schon auch zeigt und das würde vielleicht mir dann in den Bereich von Frau Badran hineinfließen sind viele große Players.

00:13:48: Also einfach wenn man anschaut, wer sind die größten Besitzerinnen von Boden in der Stadt oder vom Wohnraum?

00:13:54: Dann ist das ja bei uns gleich nach der Stadt kommt dann schon sehr schnell die UBS und die besitzen halbe Million Quadratmeter Wohnfläche dieser Stadt.

00:14:03: Und da zeigt er schon für die UBES, die ist ja nicht darin weil sie grundsätzlich Wohnraum ist ein Ding dass die machen.

00:14:09: Die sind eigentlich auch keine Immobilienfirma.

00:14:12: Wohnraum isst hier eine Anlage.

00:14:16: Wer sind an dieser kommerziellen Aktie ein bisschen aufsplittert, sieht man das in Pensionskassen darunter.

00:14:21: Da sind viele Immobilienfirmen da sind viele Banken Versicherungen und für all die Players ist es ja auch irgendwie einleuchtend dass sie nicht Wohnraum zur Verfügung stellen.

00:14:32: ist nicht deren Existenz zweck?

00:14:35: Das sind Firmen die müssen Profit generieren das ist ihr Existenzzweck Und das zeigt schon auf viel vom Boden Ist Wertanlage.

00:14:45: Hier haben wir in Zürich einen Spezialfall.

00:14:47: Wir treffen verschiedene Faktoren zusammen, die das ganze Ex-Besid in Züri auch immer wieder verstärken.

00:14:53: Also wir haben eine hohe Investitionssicherheit und eine starke Nachfrage auf Wohnraum in der Stadt Zürch und haben sehr viel Kapital, dass hier sich in ZÜRI auch versammelt.

00:15:03: Deswegen ist Wohnraum hier zu haben für diese Firmen auch wirklich interessant, lukrativ!

00:15:09: nur logisch in Zürich Wohnraum zu besitzen.

00:15:12: OBS ist glaube ich der Nummer eins auf der Liste der Privatkonzerne, die in Züri chemobilien besitzt.

00:15:18: Kannst du vielleicht noch zwei oder drei weitere Firmen nennen?

00:15:21: Die größte Eigentümer von Wohnangentum ist die Stadt Züricher selbst und die Stadt besteht auch immer aus ein paar Stiftungen, die auch dazugehören Kinderreichefamilien, die PWG so zusammen.

00:15:34: Und dann kommt euch die UBS und die SwissLive.

00:15:37: Wie viele Prozent mit all den Stiftungen?

00:15:40: Die Stadt besitzt sechs Komma drei Prozent.

00:15:43: Und die Ubs das wären zwei Komma Drei Prozent.

00:15:47: Dann kommt die Swiss Live knapp also noch eins Komma neun Prozent des Bodens.

00:15:52: Um auf vier wäre dann die Allgemeine Baugenossenschaft Zürich, die ABZ.

00:15:58: Dann kommt aber auch schon wieder eine Versicherung, die Zurich-Versicherung.

00:16:02: Und so geht es dann weiter.

00:16:03: und ich glaube das sind so die großen Player, die wirklich als Einzelplayer viel Boden besitzen.

00:16:09: Das sind zum einen grossen kommerziellen Akteurinnen und dann die Genossenschaften.

00:16:15: Da gibt's schon nach ein paar sehr viel Bodenbesitz.

00:16:17: Wir haben es auf Fußballfelder berechnet.

00:16:20: Bei der UBS sind wir bei siebenundsechzig-Fußballfeldern, ich spiele keinen Fußball, kann man das nicht vorstellen?

00:16:25: Das ist hundertzwanzigmal die Fläche des Helvetianplatzes...

00:16:29: Es ist zweimal der Zoo Zürich und wenn man die A eins bis Spreitenbach.

00:16:36: Es ist viel Wohnraum!

00:16:37: Eine Person hat vierzig im Schnitt ca.

00:16:40: vierzehn Quadratmeter, die eine Person irgendwie braucht.

00:16:43: Und jetzt in den halben Millionen ... Kann man sich ausrechnen, dass zwölftausend Menschen, die da wohnen, das ist ja schon viel.

00:16:51: Also gerade bei der UBS gab es auch einen Riesensprung durch den Zusammenschluss mit der CS.

00:16:57: Das sind dann auch so Mechanismen, die man nicht mehr steuern, also die werden von den Institutionen gesteuert.

00:17:02: aber das geschieht dann auf einmal wird ein Akteur riesig.

00:17:06: Wenn wir jetzt schon gehört haben, dass Leute sich zumindest überlegen aus der Politik.

00:17:11: Was könnte man da dagegen machen?

00:17:12: Schauen wir mal kurz auf die Bundespolitik.

00:17:14: Ihr schreibt doch darüber, dass der Bundesrat die Lex Koller verschärfen will.

00:17:18: Dort wird geregelt die Beteiligung von Menschen aus dem Ausland am Wohnungsmarkt in der Schweiz.

00:17:24: Nun hat der Bundesratsjahr im Unterschied zur Stadt Zürich eine rechtsbürgerliche Mehrheit.

00:17:29: was gibt dafür Gründe an warum das Gesetz jetzt verschärften will?

00:17:34: Es ist tatsächlich lustigerweise eine Gegenmaßnahme zu einer Initiative, die von der SVP selber kommt.

00:17:39: Das ist eines der Gegenmaßen, die der Bundesrat vorschlägt zur zehn Millionen Schweiz-Initiative.

00:17:46: Der Bundesrat sagt er anerkennend gewisse Faktoren, die er in der Zuwanderung zuschreibt und sieht den Wohnungsmarkt unter Druck und will deswegen die Lexkoller verschärfen.

00:17:57: Man dachte ja immer eigentlich, wie du gesagt hast, die Lexskolle verbietet es Personen im Ausland Wohnraum in der Schweiz zu kaufen, tatsächlich aber hat jetzt die letzten dreißig Jahre ein großes Schlupfluch geherrscht.

00:18:08: Und zwar können Personen im Außland zwar keine Wohnungen kaufen – das ist tatsächlich das für unmöglich die Lexkoller grundsätzlich.

00:18:15: Sie können aber Aktien von Immobilienfirmen erwerben oder aber in Immobiliennefonds investieren und die Wohnungen in den Schweiz haben.

00:18:24: Das ist der Vorschlag des Bundesrates, der jetzt in der Vernehmlassung ist, dass das verboten wird.

00:18:30: Und warum könnte diese Maßnahme druck zum Beispiel aus dem Zürcher Wohnungsmarkt nehmen?

00:18:36: Geht es da um die Kapitalmengen, die dahinein fließen.

00:18:39: Ja das ist ein Faktor.

00:18:41: also wenn man den Verwächterinnen der Lexkuller der Argumentation folgt dann hatte die Schweiz noch nie das Problem dass zu wenig Kapital da ist.

00:18:49: und jetzt kommt dieses massige Kapital als dem Ausland Und verdrängt das inländische Kapital,

00:18:55: d.h.,

00:18:56: immer mehr Kapital will in den immer gleichen Boden investieren und die Folge ist es, die Mieten steigen?

00:19:03: Ich glaube jetzt wie wichtig zu verstehen so eine Marktlogik ist.

00:19:08: ja ein Haus als Investition hat eigentlich so viel Wert wie es Gewinn verspricht also man investiert in einen Haus und dann was halt gewinnen sind ja die Mieten Und die Lexkola.

00:19:22: und jetzt diese Verschärfung soll wie in dieser Logik den Druck auf die Wohnungen ein bisschen vermindern, dass weniger Kapital versuchen kann da immer mehr Wert rauszudrücken.

00:19:34: Das zeigt glaube ich schon – also diese ganze Lexkolo-Debatte zeigt schon sehr viel auch über das was aus unserem Wohnmarkt geworden ist weil wir wollten herausfinden ok wieviel ausländisches Kapital steckt denn tatsächlich im Zürcher Wohnraum?

00:19:47: Und das kann man nicht sagen.

00:19:48: Das weiß niemand, weder die Firmenwissen ist ganz genau wer jetzt überall in den Fonds investiert weil es sind ja auch mehrstufige Besitzverhältnisse geschweige denn den Aktienanteil.

00:19:59: also wir haben bei der FINMA nachgefragt und die FINMA weiss das auch nicht.

00:20:04: Aber das Problem ist ja eigentlich auch irgendwie einleuchtend.

00:20:07: Also, wenn man die UBS anschaut... Die UBS hat ja theoretisch sehr viele Tochterfirmen, die dann irgendwelche Häuser besitzen.

00:20:14: aber diese Tochter Firmen sind ja eigentlich Fonds.

00:20:17: Da investieren ja Leute in diesen Fonds, weil oft sind das ja wiederum eigentlich einfach Treuhänder, die das für noch irgendwelchen anderen Leuten halten und man müsste halt dieser ganzen so Kette zurückverfolgen bis man wirklich weiß wer besitzt jetzt das wirklich?

00:20:32: Wir wissen jetzt einfach, wer offiziell diesen Besitz hat, gemäß Grundbuch.

00:20:36: Aber wer diese Firmen dann wiederum besitzt?

00:20:38: Das wissen wir auch

00:20:39: nicht.".

00:20:40: Wenn du sagst, ihr wolltet herausfinden, wer trifft auf dem Wohnungsmarkt welche Entscheidungen geht es dann?

00:20:46: um so einfache Sachen wie Wer entscheidet?

00:20:50: hier vermiete ich diese Wohnung mit so und so viel Rendite?

00:20:55: oder wer da wie agiert welcher Häuserbesitzer wie agieren?

00:20:59: Am Schluss entscheiden jene, die den Boden besitzen was darauf passiert.

00:21:03: Und für das ist es essentiell dass wir wissen wer sind die Leute die entscheiden wie was in unserer Stadt gebaut wird.

00:21:12: Diese Stadt gehört.

00:21:13: am Schluss gehört sie halt zu einem großen Teil Privatpersonen und zum auch sehr großen Teil kommerziellen Unternehmen und da sind diejenigen die am Schluss entscheiden wie wir wohnen.

00:21:26: Zunehmend mehr kommerzielle Unternehmen entscheiden, wie wir wohnen.

00:21:30: Finanzstarke private, Versicherungen wie SwissLife, Pensionskasten, Banken und große börsennotierte Immobiliengesellschaften wie Swiss PrimeSide AG, Allreal, Mobimo.

00:21:41: Und viele dieser Konzerne befinden sich teilweise im Besitz internationaler Investoren etwa der US-amerikanischen Schattenbank BlackRock, wie wir bereits in der allerersten Hörkombinanzfolge zur Wohnpolitik gehört haben.

00:21:55: Ein Teil der Erträge fließt damit direkt ins Ausland – darum also die Verschärfung der Lexkolle!

00:22:00: Sie soll verhindern dass ausländische Investoren schweizer Immobilien als Kapitalanlage nutzen und damit Boden und Mietpreise zum Explodieren bringen.

00:22:10: Ob sie durch kommt ist fraglich….

00:22:11: Die Immobilianlobby ist schließlich stark.

00:22:14: Welche weiteren politischen Maßnahmen sind im Gang?

00:22:17: Das hören wir am twenty- vierten Mai in der nächsten Folge.

00:22:21: Außerdem sind Nina und Balz beim Auftröseln der Besitzverhältnisse auf eine Privatperson gestoßen, die nicht nur durch Immobilien unverhältnismäßig reich geworden ist sondern damit auch noch eine politisch bedenkliche Agenda verfolgt.

00:22:34: Apropos Agenda, hier noch ein Veranstaltungshinweis.

00:22:37: Am Dienstag, Mai der Neunzehnte laden Zürich-Punktea und das Waffrecherche Kollektiv in den Kulturmarkt ein wo sie über ihre Grundbuchrecherchen sprechen werden.

00:22:47: Die Veranstaltung ist ausverkauft aber man kann sich auf eine Warteliste setzen lassen.

00:22:52: Ansonsten und sowieso Teil zwei Hören von Leben im Finanzprodukt die Zürcher Grundbuch Recherche.

00:23:04: Es kombinierten Elvira Isnering und Dominik Dussek.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.